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Samstag, 3. März 2018

Ein Bauch voller Gefühle: 38 Schwangerschaftswochen mit viel Risiko und noch mehr Glück

„Du hattest aber auch eine Horror-Schwangerschaft.“ Da schwebte er, dieser Satz. In gewaltig großen Buchstaben schob er sich quer über den Esstisch zwischen mich und meine Freundin. Während meine beiden Mäuse oben durch die Kinderzimmer tobten, wurde es unten, im Wohnzimmer, ganz still. Dieser Satz traf mich mit aller Wucht, weil ich darauf nicht vorbereitet war. Er wirkte auf mich so verletzend, obwohl das vermutlich gar nicht die Absicht war. Und so überheblich, weil er noch dazu von einer Frau kam, die sich selbst glücklich schätzen konnte, schwanger geworden zu sein. Denn das ist nicht immer selbstverständlich. Dieser Satz klang, als müsste man mich für meine Schwangerschaft bemitleiden. Bullshit.




Ich hatte keine "Horror-Schwangerschaft" - wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich hatte eine sogenannte Risiko-Schwangerschaft mit Hochs, Tiefs und einem vor Glück glucksenden Ende, das mir heute fröhlich plappernd die Welt erklärt. Und ich bin in diesen 38 Wochen gereift - vielleicht sogar ein bisschen mehr als manch andere.




Als ich vor sechs Jahren, rund 15 Monate nach der Geburt der Zaubermaus, zum zweiten Mal wie geplant schwanger wurde, hatte ich bereits etwas Routine: Ich wusste, wie man einen Schwangerschaftstest macht und auch wie die erste Vorsorgeuntersuchung ablief. Da es bei meiner ersten Schwangerschaft keine Probleme gegeben hatte, ich „erst“ 30 war und auch sonst keinerlei Risikofaktoren (keine Zigaretten, kein Alkohol, keine vorherige Fehlgeburt) existierten, war ich auf mögliche Komplikationen nicht gefasst. 
Etwas mulmig wurde mir, als meine Frauenärztin in der 16. Schwangerschaftswoche einen kleinen Bluterguss in der Gebärmutter fand. Ich sollte mich in den kommenden Wochen etwas schonen, empfahl sie mir. Das Baby könnte mit dem Bluterguss abgehen, wenn sich dieser löse, las ich später im Internet.





Aber der kleine Mann blieb. Dass sich der Bluterguss zurückgebildet hatte, war bei der Untersuchung in der 20. Woche die erste Überraschung, die zweite: dass wir einen Sohn bekamen. Und die dritte folgte im nächsten Satz, dessen Bedeutung mir erst in den kommenden Wochen bewusst werden sollte. „Ihre Plazenta sitzt sehr tief.“ Über meinen Mutterkuchen hatte ich mir zuvor noch nie groß Gedanken gemacht, wo er sitzt, was er da so macht, wohin er wandert, was nach der Entbindung mit ihm passiert (ich plante also nicht, ihn unter einer Eiche zu verbuddeln). Mir waren stets die gleichmäßigen Herzschläge meines Babys wichtiger, dass es mit der Zeit an Gewicht beziehungsweise Größe zulegte und sich die Organe und Gliedmaßen ausbildeten. Ich sollte mich weiter schonen, vielleicht würde die Plazenta in den kommenden Wochen noch nach oben wachsen, sagte meine Frauenärztin. Als Freiberuflerin konnte ich zunächst auch noch weiterhin arbeiten, reduzierte meine Aufträge jedoch auf Telefoninterviews und Home Office.




Von einer placenta praevia, die übrigens gar nicht so selten vorkommt, spricht man in der Regel ab der 24. Woche. Bei einer weiteren Kontrolle im zweiten Trimester bestätigte meine Frauenärztin, dass sich meine Plazenta in der Nähe des Gebärmutterhalses eingenistet hatte - statt wie üblich brav oben oder seitlich an der Gebärmutter zu haften. Somit befand sie sich viel zu nah am Muttermund, den sie später teilweise oder ganz überdeckte - richtig deutlich haben die Ärzte das bei mir nie sehen können. Ich weiß bis heute nicht, ob ich eine placenta praevia marginalis, partialis oder totalis hatte, so die medizinischen Fachbegriffe für die verschiedenen Formen, die ich rauf- und runtergoogelte.




In der Zwischenzeit hatte ich nämlich viel zu viel im Internet recherchiert und auch alle unqualifizierten Beiträge selbsternannter Experten wie „Honeybunny79“ oder „Helikoptermom2012“ nahezu verschlungen, die - mit klarem Verstand betrachtet - zu meinem individuellen Schicksal doch eigentlich rein gar nichts sagen konnten. Ich wusste inzwischen, dass als mögliche Ursachen bei mir der „eilige“ Kaiserschnitt bei der Geburt der Zaubermaus infrage kam, und dass ich relativ rasch hintereinander wieder schwanger geworden war.
Ich hatte auch gelesen, dass eine spontane Geburt aufgrund der Position des Mutterkuchens recht schwierig beziehungsweise nicht möglich wäre - was ich nicht weiter tragisch fand. Die 23 Stunden Wehen, die ich bei der Zaubermaus hatte, reichen als Geburtserfahrung für drei Kinder. Und ich las, dass es mir jederzeit passieren konnte, dass ich die restlichen Wochen meiner Schwangerschaft zur stationären Kontrolle möglicher Blutungen liegend im Krankenhaus verbringen musste: In seltenen Fällen könne es zu einer Ablösung der Plazenta kommen, was mitunter lebensgefährlich für Mutter und Kind sei, so hieß es.





Meine erfahrene, kluge und besonnene Frauenärztin beruhigte mich jedoch. Einen ihrer prägnantesten Sätze gebe ich bei Angst vor Erkrankungen heute noch gern weiter: „Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen, was die kommenden Wochen betrifft. Genießen Sie lieber jeden Tag und lesen Sie lustige Bücher. Ihnen kann schon jetzt, wenn Sie aus dem Haus treten, ein Ziegelstein auf den Kopf fallen. Dann wären alle Sorgen umsonst.“

Ich durfte zu Hause bleiben und bekam über meine Krankenkasse eine Haushaltshilfe gestellt, auf die ich bereits nach sechs Wochen wieder verzichtete: Sie betreute lieber meine Tochter als im Haushalt zu helfen - doch das wollte ich selbst. Meine Mama kam stattdessen zwei- bis dreimal unter der Woche zu uns, bügelte, putzte, half mir beim Kochen und sorgte dafür, dass es mir, der Zaubermaus und dem Mäuserich in meinem Bauch gut ging. 





Denke ich heute zurück, erinnere ich mich daran, die ganze Zeit über ein Handy in einer kleinen Tasche um den Hals getragen zu haben, falls ich Blutungen bekommen sollte und den Rettungsdienst alarmieren musste - was zum Glück nicht geschah. Ich weiß noch, dass ich insgesamt vorsichtiger war und mich überwiegend in unserem Haus und Garten aufhielt, weil ich vorzeitige Wehen vermeiden sollte. Ich entsinne mich an so manche Nacht, in der ich vor Angst weinte, dass der Mäuserich viel zu früh auf die Welt kommen könnte.
Ich denke aber auch gern daran zurück, wie ich tagsüber sanft mit der Zaubermaus tanzte, die damals noch nicht im Kindergarten war, wie wir täglich am Sandkasten saßen, immer wieder über meinen wachsenden Bauch streichelten und wir alle lachten, wenn der Mäuserich darin mal wieder Schluckauf hatte.




Wir richteten in den kommenden Wochen nicht nur das Babyzimmer ein, sondern auch uns selbst auf den geplanten Kaiserschnitt etwa zwei Wochen vor errechnetem Entbindungstermin. Anders als bei der Maus, bei der die Geburt mit einem plötzlichen Blasensprung begonnen hatte, durften wir uns den Geburtstag unseres Sohnes selbst aussuchen. Auch das war etwas Besonders.

In den letzten Wochen vor der Geburt „übergab“ mich meine Frauenärztin ans Krankenhaus, dessen Ärzte mit all ihren Geräten, Messungen und zum Teil einander komplett widersprechenden Aussagen ordentlich Verwirrung bei uns Eltern stifteten. Am Vormittag des 16. August 2012 zeigte sich, wie richtig und wichtig es war, dass ich die ganze Zeit auf mein Bauchgefühl gehört hatte: Ich wollte aufgrund des möglichen Risikos nicht spontan entbinden, sondern bestand auf den geplanten Kaiserschnitt. Ich verlor dabei extrem viel Blut - vermutlich hatte die Plazenta doch mehr Platz eingenommen als von den Medizinern berechnet. 
Mit einem Gewicht von 3490 Gramm, einer Größe von 51 Zentimetern, allen zehn Fingern, Zehen und einem kräftigen Löwengebrüll, das in den kommenden Tagen durch die gesamte Station hallen sollte, kam der Mäuserich auf die Welt. Der kleine Kerl ist kerngesund, kräftig und macht den ganzen Tag nichts als Quatsch. Ende gut, alles gut.


Für all die kleinen und großen Schicksalsschläge, die das Leben in der Regel nun mal mit sich bringt, brauchte ich bislang kein Mitleid. Mitgefühl hingegen ist immer schön.

"Das Leben ist schön. Von 'einfach' war nie die Rede."
- Unbekannt - 


Was lernen wir daraus: Hört auf Euer Bauchgefühl (auch bei Menschen), genießt jeden einzelnen Tag und schaut immer mal nach oben, wenn Ihr aus dem Haus tretet ;-).


Herzliche Grüße,
Sarah


Sonntag, 11. Februar 2018

Neues Jahr, neue Pläne, neues Glück: Gefasste, gebrochene und gehaltene Vorsätze

Hallo, Ihr Lieben! 
(ich wünschte, Ihr könntet die vielen kleinen Freudenherzchen sehen, die auf den Buchstaben tanzen, während ich sie an dieser Stelle zum ersten Mal seit Wochen wieder aneinanderreihe...)
Es gibt ihn noch, meinen Glücksfeder-Blog. Und es wird ihn auch weiterhin geben, weil er der einzige gute Vorsatz ist, den ich in der Silvesternacht 2016/17 getroffen habe und seit mehr als einem Jahr halte. Ich möchte noch immer meine Freude an den kleinen, feinen Dingen und Momenten unseres Familienlebens mit Euch teilen und freue mich riesig, dass Ihr bisher so häufig - auch während meiner Abwesenheit - bei mir hereingeschaut habt. Ein dickes Dankeschön geht an alle gleichgesinnten, treuen Leser, die mir auf unterschiedliche Weise gezeigt haben, dass ihnen meine Beiträge und DIYs gefallen. Und selbstverständlich danke ich allen, die hier regelmäßig inoffiziell mitlesen, ohne mich offiziell auf der Straße grüßen zu wollen. Nicht.





Auch in der jüngsten Silvesternacht stand ich mit einer ein Meter langen Wunderkerze in der Hand, meinen drei Lieben im Arm, Oscar zu meinen Füßen, ganz vielen Raclette-Garnelen im Bauch und noch mehr guten Vorsätzen im Kopf auf unserer Terrasse. Sie lauteten mal wieder: Mehr Gelassenheit, weniger Stress, noch mehr Zeit für meine Familie, etwas weniger Arbeit, viel mehr Sport, viel weniger Kohlenhydrate, unbedingt mehr mit Emma verreisen, unbedingt weniger online shoppen, mehr wahre Freunde im echten Leben treffen, weniger falsche bei Facebook, dringend mehr Bücher lesen, weniger Instagram-Bilder gucken, mehr Yoga, weniger ärgern, noch mehr Yoga, noch weniger ärgern, extrem viel Yoga, gar nicht mehr ärgern,.... Weil ich so diszipliniert bin, habe ich mich an all meine guten Vorsätze gehalten. Yeah, was bin ich stolz auf mich. Der Verzicht, die Achtsamkeit und die Ernährungsumstellung: Klappte alles hervorragend. Ganze sechs Tage lang. 


Mit unserem Weihnachtsbaum, der am 6. Januar rausflog, verließ auch mein innerer Schweinehund naserümpfend das Haus, ohne sich noch einmal nach mir umzudrehen. Für ihn bin ich ein hoffnungsloser Fall - genau wie für mein ehemaliges Fitnessstudio. 
Ich nutzte zumindest den allgemeinen Neujahrsschwung, um in den ersten vier Wochen einiges zu planen, konkret vorzubereiten oder endlich mal zu erledigen, wovon ich (hoffentlich) das ganze Jahr profitieren werde.
  • Ich entrümpelte das ganze Haus. Und zwar an einem einzigen Tag. Ich war dieses Mal selbst überrascht. Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich einmal sechs Stunden benötigen würde, um - vom Keller bis zum Dachboden - Ordnung zu schaffen und Überflüssiges auszumisten, wäre ich laut lachend von der Couch gefallen, von der ich mich gar nicht erst erhoben hätte. Da ich jedoch inzwischen eine eigene Routine darin entwickelt habe,
    • allen neuen Dingen in unserem Haus noch am selben Tag einen festen Platz zu geben, an den ich sie dann später immer wieder zurück räume, 
    • mich täglich von irgendetwas zu trennen, was kaputt ist, nicht mehr gebraucht wird oder mir keine Freude mehr bereitet,
    • und diese Sachen dann unverzüglich verschenke, spende oder wegschmeiße,
         beschränkt sich der Inhalt meiner Schubladen und Schränke seit einigen Monaten auf das  
         Nötigste: Dinge, die ich brauche, also regelmäßig nutze, und Dinge, die mir eine Freude
         bereiten, wenn mein Blick auf sie fällt. 





  • Ich bereitete unsere Steuererklärung vor, 
    • bestellte die aktuelle Software, 
    • forderte eine Übersicht der Versicherungsbeiträge an 
    • und suchte die notwendigen Unterlagen aus unseren Ordnern.
         Wir machen unsere Steuererklärung selbst - und das stets bei schlechtem Wetter in den ersten 
        drei Monaten des Jahres. Ich will genau wissen und planen können, welche Summe uns durch
        eine Rückzahlung zur Verfügung steht, und welche durch eine Nachzahlung nicht. Und weil ich
        keine Lust habe, kurz vor knapp bei schönstem Mai-Wetter über Rechnungen zu brüten, nutzen
        wir die momentanen Regentage für den Behördenkram, der sich vor dem Kamin einfach am
        angenehmsten erledigen lässt.




  • Ich legte mir einen neuen Haushaltsplan an. Seit vier Jahren führe ich eine ausgeklügelte, selbstentwickelte Excel-Tabelle, in die ich etwa einmal wöchentlich anhand unseres Konto-Auszuges unsere Ein- und Ausgaben notiere. Dass mein Mann und ich ganz altmodisch ein gemeinsames Konto haben, erleichtert uns die Buchführung. Selbstbestimmung hin oder her: Wenn die eine Hand nicht weiß, was die andere ausgegeben hat, und wir beide am Ende mit leeren Händen, leerem Tank und leerem Kühlschrank dastehen, nützen mir auch die ganzen Theorien nichts mehr, die ich in meinem Nebenfach Soziologie zum Thema Emanzipation studiert habe. Mit unserer Liste bewahre ich jederzeit den Überblick. So wundere ich mich nur noch relativ selten, warum am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. 
    • Hier trage ich - ohne zu schummeln (!) - die Ausgaben ein für die einzelnen Versicherungen, Kita-Gebühren, Vereine der Mäuse, Musikschule, GEZ, die Kosten für Haus und Auto, Telefon, Wohnwagen-Stellplatz, Essen, Benzin, Apotheke, Friseur, Tierarzt, Kleidung, Urlaub & Unternehmungen, Kindersachen, Porto, Geschenke und unter anderem sämtliche Einnahmen - auch aus Ebay, Mami- und Kleiderkreisel.

  • Ich vereinbarte Arzttermine: Kontrolltermine bei Zahnarzt, Hautarzt, Kinderarzt, Frauenarzt, HNO-Arzt und Kieferorthopäden lege ich schon jetzt gemeinsam mit den Arzthelferinnen fest und trage sie in unseren Familienkalender ein. Da wir im Schnitt eh ein halbes Jahr darauf warten und sich die Termine später nur schlecht verschieben lassen, bilden sie schon jetzt das Grundgerüst in unserer Jahresplanung. 
  • Andere buchen Urlaub, wir reservieren Stellplätze - klingt irgendwie trashig, ist es aber nicht. Wir haben uns jetzt bereits zwei sehr schöne Vier-Sterne-Campingplätze an den Küsten Europas ausgesucht, auf denen wir es uns in diesem Jahr mit unserer Wohnwagen Emma gemütlich machen werden. Weil Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist, packe ich an besonders kalten Tagen schon jetzt gedanklich meine FlipFlops und Sonnenbrille in die Staufächer unserer Emma.



  • Ich habe Schuhe gekauft. Klassiker: Feste, ungefütterte Schuhe fürs Frühjahr, Ballerinas, Turnschuhe, Sandalen - ein paar für die Mäuse, ein (einziges) Paar für mich. Anhand der jetzigen Größen der Kinderschuhe schätze ich grob ab, welche Größen sie voraussichtlich im Frühjahr und Sommer haben werden. Riesige Größensprünge gab es bislang bei beiden Mäusen noch nie, sodass sich meine bisherigen Schuh-Hamsterkäufe stets lohnten.



Außerdem hat mein Mann (also ich, aber psst, bitte verratet ihm das nicht, sonst haben wir bald wieder getrennte Konten ;-)) viele neue DIY-Projekte für Haus und Garten geplant, die ich in den kommenden Monaten in gewohnter Weise auf diesem Glücksfeder-Blog vorstellen will.

So, Post fertig. Ach, was habt Ihr mir gefehlt! :-) 

Macht's Euch schön!
Herzliche Grüße - auch an all meine offiziellen Niemals-Nie-Nichtleser (zwinkerzwinker),
Sarah

Mittwoch, 13. Dezember 2017

DIY: Papiersterne aus Butterbrottüten - Frau poliert die Weihnachtsdeko auf

Ihr kennt das. Frau will zwei Zahnbürsten kaufen. Zielstrebig fuhr ich zu dm und nahm weder Korb noch Wagen, weil ich ja nur zwei Zahnbürsten brauchte. Ich eilte hinein und kam keine 15 Minuten später wieder hinaus.



In der linken Hand trug ich eine Flasche Geschirrspülreiniger, weil der im Angebot war, und zwei Haarkuren, die ich laut meiner Friseurin dringend nötig hatte. Unter den Arm geklemmt hatte ich die hautstraffende Body Lotion Q-sowieso, die laut InStyle aus Meghan Markle eine angehende Prinzessin gemacht hat, eine Packung Dinkelflocken und eine Flasche Desinfektionsreiniger (wegen Magen-Darm-Scharlach-Hand-Mund-Fuß-Welle und so), mit rechts umklammerte ich eine Packung Servietten („oh, die sind ja hübsch“) und den neuesten Nagellack meiner Lieblingsmarke, der weder grau noch rosa, noch rosé oder taupe ist wie die in meinem Badschrank, sondern grau-rosa-rosé-taupe. 

Meine Spontankäufe balancierend, wankte ich zum Auto, weil ich wieder mal dachte, es geht auch ohne Tüte - und bemerkte dann wieder mal, dass sich mein Autoschlüssel zuunterst in der einen, nee, der anderen Manteltasche befand, weshalb ich den ganzen Kram mit einem Ruck auf die Motorhaube unseres Autos kippen musste (sorry, Schatz - aber so kommt wenigstens mal die Poliermaschine zum Einsatz, die Du unbedingt haben wolltest).


Einen Streifen Kleber von oben nach unten
und an der geschlossenen Seite von links nach rechts auftragen

Mann will zwei Zahnbürsten kaufen. Zielstrebig fährt Mann zu dm, nimmt weder Korb noch Wagen, weil er ja nur zwei Zahnbürsten braucht. Mann eilt hinein und kommt keine zwei Minuten später wieder hinaus. Mann hat zwei Zahnbürsten gekauft, schließt das Auto auf, setzt sich hinein und fährt los.



Tüten aufeinanderlegen. Ordentlich aufeinander legen. Ich sagte ORDENTLICH. :-)


Gelohnt hat sich mein Einkauf allein wegen der Packung Butterbrottüten mit schwarzen Sternchen (gibt`s auch in Rot), die ich zuvor zwischen meine Zähne geklemmt hatte. An denen hätte ich nun wirklich nicht achtlos vorbeigehen können. Zunächst dachte ich, dass ich damit die Pausenbrote der Mäuse hübsch verpacken könnte, dann sah ich den eigens aufgedruckten Kreativ-Tipp (Danke, liebes dm-Team), dass man daraus große Papiersterne basteln könne. Zuhause legte ich mit den Mäusen sofort los.




Neue Tüten, neue Streifen Kleber


Wir zählten sieben Papiertüten ab (geht auch mit normalen Butterbrottüten und natürlich auch ohne Sterne und übrigens auch mit sechs Tüten und sogar mit zwölf, wie ich gehört habe). Auf jeweils eine Seite der Butterbrottüten (ich habe mich für die Rückseite entschieden, weil da der vorgegebene Falz zu sehen ist) haben wir zunächst in der Mitte über die gesamte Länge mit einem Klebestift einen Streifen gemalt. Und dann noch einen zweiten Streifen: quer - entlang der geschlossenen Seite. Darauf legten wir die zweite Tüte und wiederholten den Klebevorgang: ein Streifen von oben nach unten, ein weiterer waagerecht (t-förmig). Dann legten wir die dritte bündig auf den Stapel...und schließlich die siebte. Das geht in der Regel ratzfatz.



Eine Spitze in den Tütenstapel schneiden (geöffnete Seiten)



Mit einer Schere haben die Mäuse etwa ab Höhe des oberen Drittels eine Spitze in den Tütenstapel geschnitten. Sollen die Sterne leuchten, schneidet man unten, in die geschlossene Seite, noch ein kleines Dreieck. Auch in die Seiten rechts und links kann man kleine halbrunde Kreise oder Dreiecke schneiden. 

An die Spitzen der oberen und unteren Tüten fassend, fächerten wir diese zu einem Stern auf (lässt sich nach Weihnachten auch gut wieder zusammenfächern). Oben machte ich noch zwei Löcher in die jeweiligen Spitzen der beiden Fächer-Enden und fädelte ein Band zum Aufhängen hindurch. Wer mag, kann in die zwei oberen Tüten noch LED-Teelichter hineinlegen.

Jetzt, wo wir etwas Übung haben und in die vorweihnachtliche Serienproduktion für unsere Freunde und leicht zu begeisternden Nachbarn gegangen sind, benötigen wir keine fünf Minuten mehr pro Stern. Die Papiersterne sind einfach wunderschön anzusehen und machen noch dazu ordentlich was her - dafür, dass das Material recht günstig war (etwa 2,95 Euro pro 24er-Packung Papiertüten, aus der man drei Sterne à 84 Cent basteln kann).

Nach dem Einkauf: Frau bastelt tagelang zauberhafte Papiersterne und freut sich. Mann benutzt zum ersten Mal seine Poliermaschine, um die Dellen und Kratzer vom Einkauf der Frau aus seiner Motorhaube zu entfernen - und freut sich. Frau und Mann: beide glücklich.




Macht's Euch schön!
Herzliche Grüße,
Sarah



*Auch dieser Beitrag wurde nicht gesponsert. Ich bin aus freiem Willen zu dm gefahren, habe all diese Produkte (leider) selbst ausgewählt und (leider) auch bezahlt. 

Samstag, 2. Dezember 2017

Hereinspaziert, Ihr kleinen Wichtel! Ihr werdet gebraucht!

Hiermit bedanke ich mich herzlich bei den Eltern von - hmm, nennen wir ihn - Tom, die in diesem Jahr beschlossen haben, Schluss zu machen mit all den jahrelangen Heimlichkeiten, Mauscheleien und perfiden Lügenkonstrukten, zu denen sie sich in den vergangenen Jahren gezwungen sahen. "Es gibt keinen Weihnachtsmann", haben sie ihrem sechs Jahre alten Sohn konsequent erklärt, der diese Behauptung seit einigen Wochen stoisch auf dem Schulhof wiederholt.




Nicht aus religiösen Gründen, nicht, weil Tom sie in flagranti im Spielzeugladen ertappt hat: Den Eltern von Tom - hmmm, nennen wir sie Susi und Klaus - war es  schlichtweg zu anstrengend, weiterhin unter größtmöglicher Ablenkung kommodengroße Pakete an ihrem Kind vorbei in den Keller zu schmuggeln. Sie sahen es nicht mehr ein, ab Mitte Oktober auf mehrere Quadratmeter ihrer Wohnfläche zu verzichten, weil hinter den verschlossenen Türen Barbie-Traumhäuser, Puppentheater und Kaufmannsläden aufbewahrt werden. Sie hatten keine Lust mehr, ihrem Sohn all die Fragen zu beantworten, die Erstklässler nun mal - gern immer und immer wieder - stellen: "Mama, warum ist die Kellertür abgeschlossen?", "Papa, warum hat der Weihnachtsmann gestern bei der Bescherung bei uns einen dicken Bauch und heute bei Oma plötzlich keinen mehr?", "Mama, warum klingt die Stimme des Weihnachtsmannes so wie die von Onkel Mathias?", "Und warum geht Onkel Mathias genau immer dann so lange auf Toilette, wenn der Weihnachtsmann kommt?". 

Also: Weg mit dem Weihnachtsmann, her mit der gähnend langweiligen Transparenz. Schon in der ersten Klasse bereiten Susi und Klaus ihren Sohn auf die nüchterne Welt der Erwachsenen vor - die selbst uns Erwachsenen manchmal etwas zu nüchtern erscheint.




Seitdem der kleine Grinch in der Schule meiner Tochter sein Unwesen treibt, rüste ich konsequent auf. Ich schmücke alles und jeden in Haus und Garten. Ich lese meinen Kindern noch mehr Weihnachtsgeschichten vor, die unsere "Und-den-Weihnachtsmann-gibt-es-doch-These" untermauern. Ich lasse die Pakete zu unseren Nachbarn liefern, bewahre die fertig verpackten Geschenke an unterschiedlichen Orten im ganzen Haus auf und bin konzentriert bei der Sache, wenn ich den Mäusen ihre Wieso?-Weshalb?-Warum?-Fragen rund um Weihnachten beantworte, damit mein Mann und ich ihnen einheitliche Versionen präsentieren. Auch personell habe ich aufgestockt: Tom und seine Eltern sind zu dritt. Ich habe uns die Wichtel ins Haus geholt. Und das sind viel mehr.




Seit der Nacht zum 1. Dezember befindet sich an einer Wand inmitten unseres Wohnzimmers eine Wichteltür (pssst, ich schreibe es ganz leise: Es gibt sie in verschiedenen Varianten im Internet, man kann sie aber mit etwas Geschick und Pappe oder Sperrholz auch ganz leicht selbst basteln). Zum ersten Mal entdeckt habe ich sie auf dem absolut lesenswerten Blog MamaWahnsinnHochDrei. Ich war sofort entzückt. Etwa handtellergroß mit winzig kleinem Türgriff und passendem Sprossenfenster haben "die Wichtel" sie nachts über der Sockelleiste installiert. Sogar ihre eigene Zwergtanne haben sie mitgebracht. "Papa und ich haben uns schon gewundert, wer da nachts so gehämmert und gesägt hat. Jetzt wissen wir es: die Wichtel!", erzählte ich morgens den Mäusen, die fasziniert mit leuchtenden Augen vor der Tür lagen und versuchten, durch das Fenster zu spähen.





Seitdem gehen die Wichtel, die den extrem beschäftigten Weihnachtsmann in diesen hektischen Wochen so tatkräftig unterstützen, bei uns ein und aus. Nachts, wenn die Mäuse schlafen, werden die kleinen Helferlein aktiv, tagsüber bleibt ihre Tür verschlossen - da hilft leider auch kein Rütteln. Sie haben unter anderem den Adventskalender mitgebracht und sind auch sonst immer wieder als Vermittler zwischen uns und dem Weihnachtsmann unterwegs. So teilen sie ihm zum Beispiel mit, wenn die Mäuse noch Ergänzungen zu ihrem Wunschzettel haben, die sie in kleinen Briefen vor die Tür legen. Häufig kommt sogar ein Brief zurück. Überhaupt helfen sie uns Eltern, wenn wir in Erklärungs- oder Erziehungsnot geraten. "Das waren die Wichtel", "das machen die Wichtel", "wenn du weiterhin dieses Schimpfwort sagst, hören das die Wichtel."




Die kleine "Feentür", so eine der offiziellen Bezeichnungen, wird in Zukunft auch von der Zahnfee benutzt, die bislang "irgendwie" durchs geschlossene Fenster zu uns kam. Im Frühling wird der Osterhase durch die kleine Pforte unser Haus betreten. Und überhaupt: Fest verschlossen wird sie das ganze Jahr über dafür sorgen, dass möglichst viel Zauber in unserem Haus bleibt und möglichst wenig abgeklärte Nüchternheit von draußen hereinkommt.




Schade, dass die Eltern von Tom offensichtlich nicht wussten, dass es diese Feentüren gibt, die relativ unkompliziert und günstig erhältlich sind (in diesem Fall kommt dieser Beitrag zu spät). Eine Wichteltür hätte den Moment der Wahrheit für Tom sicherlich um einiges verzögert - und somit die Zeit der weihnachtlichen Heimlichkeiten, mit denen wir die Augen unserer Kinder zum Leuchten bringen und ihre Kindheitserinnerungen prägen, noch ein wenig verlängert. Für Euch aber gilt: Öffnet Eure Türchen und lasst den Zauber in Euer Haus!

Herzliche Grüße,
Sarah

Samstag, 23. September 2017

Zurück in die Zukunft: Wenn Mama wieder in die erste Klasse geht

Ich habe in den vergangenen Jahren Puppen gewickelt, für Hot-Wheels-Autos mehrstöckige Garagen konstruiert, im Sand verwinkelte Burgen gebaut und mit dicken Backen Seifenblasen durch unseren Garten gepustet. Seit ein paar Wochen gehe ich in die erste Klasse. Die Nacht vor meinem ersten Schultag habe ich vor Aufregung nicht richtig schlafen können. Am Morgen zog ich mir meine schönen Kleider an und setzte mich im Gottesdienst in eine der vorderen Reihen. Zunächst beobachtete ich gespannt, wer mein Lehrer, wer meine Klassenkameraden sein würden, dann erleichtert, dass ich unter all den vielen Mädchen in meiner Klasse bestimmt eine Freundin finden würde, mit der ich in der Pause spielen kann. Mit klopfendem Herzen betrat ich das Schulgebäude, meinen bunten Klassenraum. Dann gab ich meiner Zaubermaus zum Abschied heimlich ein Küsschen, weil ihr das vor ihren neuen Schulkameraden peinlich ist, und fuhr nach Hause. 




Ich gehe wieder in die Grundschule. Genauer gesagt: meine Zaubermaus. Weil sie aber mein Herz ist, das seit ihrer Geburt außerhalb meines Körpers durch die Welt hüpft, durchlebe ich derzeit eine zweite Kindheit. Und zwar mit all der Aufregung, der Neugier, Naivität, Freude, mit all den Hoffnungen und möglichen Enttäuschungen, die zum Groß- und Starkwerden dazugehören. Ich selbst bleibe brav vor dem Schulhof stehen, während die Zaubermaus mit tanzendem Ranzen im Schulgebäude verschwindet, weil ich mich grundsätzlich nicht lange in den Gebäuden aufhalte, in denen ich meine Kinder gut aufgehoben weiß. Denn das ist für mich in der Regel Sperrzone, ihr Mamas-müssen-draußen-bleiben-Bereich, in dem sie Kontakte knüpfen, kleinere (!) Konflikte selbst bewältigen, selbstständig und selbstbewusst werden sollen. 




Ich selbst weiß mich in den drei, vier Stunden zwischen Bringen und Abholen gut zu beschäftigen - meine Gedanken wandern also nicht permanent von meinem Schreibtisch zum Pausenhof der Zaubermaus. Es sei denn, sie schreibt ein Diktat, für das die Maus am Tag zuvor geübt hat. Dann bin ich mitunter aufgeregter als meine kleine Große selbst, obwohl ich als Erwachsene weiß, dass das nur eine der klitzekleinen Prüfungen ist, die das Leben mit sich bringt. 




An dieser Stelle wird's für mich als Mama kompliziert: Heute weiß ich, dass es vollkommen egal ist, ob man vom Jungen am Nachbartisch immer wieder als "hässliches Huhn" gehänselt wird, weil genau dieser Kerl - aufgrund seines fehlenden Charmes, der Akne und der beginnenden Halbglatze mit 18 in der Disco nicht eine vernünftige Frau kennenlernen wird. Ich habe beobachtet, dass so mancher Klassenkamerad, der früher die lautesten Töne spuckte, weil er vielleicht eine Rechenaufgabe schneller lösen konnte als seine Mitschüler, heute ganz kleinlaut hinter seinem Chef durch den Discounter schleicht, in dem er Regale einräumt. Und ich habe gemerkt, dass meine Mitschülerinnen, die bereits in der fünften Klasse mit der Vielzahl ihrer festen Freunde angaben, später auch bei der Suche nach einem Mann fürs Leben offensichtlich nicht besonders wählerisch waren. Ich weiß inzwischen, dass die, die in der Schule die Größten, Schnellsten und Schönsten mit den coolsten Freunden waren, es unter Umständen bereits mit Anfang 30 nicht mal mehr ansatzweise sind.




  • Meine eigenen Erfahrungen gesammelt zu haben, 
  • mich gleichzeitig in die Gefühlswelt einer Sechsjährigen zu versetzen, die noch nicht die Weitsicht einer 36-Jährigen hat und es ganz schlimm findet, wenn sie für eine falsche Antwort, einen Versprecher oder ein uncooles T-Shirt ausgelacht wird,  
  • und dann auch noch die richtigen, möglichst kindgerechten Worte zu finden (ein "Mach Dir keine Sorgen", "Das wird schon", "Ach, alle doof" zieht halt nicht immer), ist für mich keine leichte Aufgabe. 



Weil ich aber jetzt schon weiß, dass meine Tochter und ich ein starkes Team sind, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann, werden wir gemeinsam auch das bisschen Grundschule meistern. Dann auf die weiterführende Schule wechseln, den Führerschein machen, durch die wildesten Clubs der Stadt ziehen, erst einen Beruf, dann gemeinsam einen Mann wählen, der uns beiden gefällt, das erste Kind bekommen und erziehen, dann vielleicht das zweite... Wir packen das. Denn zum Glück habe ich selbst das alles schon hinter mir. 


So, ich mache jetzt Hausaufgaben (für die mit der Maus) ;-)
Herzliche Grüße,
Sarah

Samstag, 26. August 2017

Erholung und Verwahrlosung, Vorzelte und Vorurteile - Wir benehmen uns wie Camper!


Auf den Kennzeichen, die vor den Spitzengardinen an den Heckscheiben ihrer Wohnwagen zu lesen sind, steht "Manfred und Uschi", manchmal auch "Puschel&Schnuffel" oder "Rügen1996". Sie tragen vorzugsweise Socken in Crocs, Gürteltaschen über ihren Achselshirts, Sonnenbrillen mit Nike-Haken am Bügel und winzig kleine Strohhüte, während sie sich den ganzen Urlaub immer nur von ihren Klappstühlen erheben, um dem Wohnwagennachbarn beim Grillen gut gemeinte Ratschläge zu erteilen, zum Gemeinschaftsbad am anderen Ende des vollbesetzten Platzes zu schlurfen oder ein weiteres Tetrapak Wein zu holen, das sie auf ihrem Tisch mit Wachstuchdecke vor dem Vorzelt platzieren. Mag sein, dass es Camper wie diese gibt. Wir haben bisher jedoch noch keinen Vertreter dieser berüchtigten Spezies getroffen.




Vielleicht liegt es an den Campingplätzen, die wir im Vorfeld sorgfältig anhand ihrer ADAC-Sterne und Bewertungen ausgewählt haben: Denn dort, wo wir bis jetzt mit unserer Emma Urlaub gemacht haben, haben wir in erster Linie zivilisierte Menschen getroffen - was wir von so manchem Vier-Sterne-Hotel auf Mallorca, Fuerteventura oder Rhodos von den weiteren Gästen und dem Personal nicht immer behaupten konnten. Merke: Selbst eine Louis-Vuitton-Handtasche sagt noch lange nichts darüber aus, ob und wie seine Besitzerin sich benimmt. Zumal sie falsch sein könnte. 


Die Parzellen des Hvidbjerg Strand Ferienparks in Dänemark

Sowohl am Wulfener Hals auf Fehmarn als auch am Hvidbjerg Strand in Dänemark zum Beispiel ging es an all den Tagen, die wir dort verbrachten, sauber und ruhig zu. Keine Prolls, keine Assis (bis auf einen einzigen "Quoten-Idioten", aber der fällt bei mehr als 1500 Stellplätzen nicht weiter ins Gewicht), aber auch keine Snobs mit Designer-Kulturbeutel: Viele freundliche Familien, familienfreundliche Rentner und sowohl senioren- als auch familienfreundliche Sportler, die einander höflich grüßten und sich dann wieder in ihre Parzelle zurückzogen. 


Unsere Emma macht Urlaub 

Die Stellplätze waren stets so groß, dass sie ausreichend Diskretionsabstand zu den Nachbarn boten, die eh meistens nicht da waren. Denn die meisten Campingplatz-Bewohner machten es wie wir: Sie holten sich täglich frische Brötchen beim platzeigenen Bäcker und verbrachten dann, nach dem Frühstück, den Tag am Strand, gingen zum Surfen, Paragliding, Minigolf oder anderen Aktivitäten außerhalb des Platzes.


Mini-Camper

Abends, beim Spülen, traf man schließlich den einen oder anderen weiteren Bewohner, wechselte vielleicht mal ein oder zwei Wörter miteinander, grillte für sich und seine Familie noch ein paar Würstchen und ging dann früh zu Bett, weil man am nächsten Tag fit fürs Outdoor-Programm sein wollte. Keine Gelage, kein Animationsterror, keine nächtliche Ruhestörung durch grölendes Partyvolk.


Der Hvidbjerg-Strand-Ferienpark in Blavand liegt direkt am Meer.

Ausgeruht starteten wir alle in den Tag, der keineswegs in einer Gemeinschaftsdusche begann. Auf den Campingplätzen, die wir uns aussuchen, gibt es stets mehrere Waschhäuser - viele von ihnen mit großzügigen, bunten Familienbädern. Die kann man aufsuchen, muss man aber nicht, wenn einem das eigene Mini-Bad im Wohnwagen reicht. Ich ziehe die geräumigen Duschkabinen in den Sanitärhäusern vor, die mit ihren gemauerten Wänden mehr Duschraum sind als Kabine. Sie sind abschließbar - genau wie die Waschräume mit Waschbecken, die man ebenfalls (in der Regel) allein benutzt. Und sie sind (in der Regel) sauber: Ich habe bisher zum Beispiel noch keine Haare, Nägel oder andere Rückstände von den vorherigen Benutzern in den Bädern gefunden - ich habe aber auch nicht mit der Lupe danach gesucht.


Eines der vielen Waschhäuser im Hvidbjerg-Strand-Ferienpark in Dänemark.

An die stillschweigende Übereinkunft, dass man das Bad, die Geschirrspülbecken und zum Beispiel den Wäscheraum so verlässt, wie man ihn selbst vorfinden möchte, haben sich (in der Regel) die Camper bisher gehalten, die mit uns die Plätze bewohnten. 


Unter freiem Himmel macht das Geschirrspülen wenigstens ansatzweise Spaß. 

In Sneakers oder Flip Flops, Shorts oder Jeans, Fleecepullis oder Softshell-Jacken bewegten wir uns über den Campingplatz, der seinen Ruf, entweder spießig oder schmuddelig zu sein und ausschließlich Proleten zu beherbergen, nun wirklich nicht (mehr) verdient hat. Es sind vielmehr Ferienparks, in denen jeder mit seinem eigenen Apartment auf Rädern anreist, um einen entspannten, wohltuenden Urlaub zu genießen.


Die hübschen Fischerhütten liegen direkt neben den Wohnwagenstellplätzen am Teich des Hvidbjerg-Strand-Ferienparks in Blavand. 

Von wegen "Camping ist der Zustand, in dem man die eigene Verwahrlosung als Erholung bezeichnet": Gehengelassen - auch optisch - hat sich so gut wie niemand, der uns hier begegnete.  Keine Gürteltaschen, Unterhemden oder in den 1980er-Jahren stehengebliebene Vokuhilas. Bis auf einen Mann, den ich zweimal mit Socken in Crocs ertappte und der sich bei näherem Hinsehen als meiner entpuppte. Schnuffel, setz bitte die Sonnenbrille ab. Ich hol uns mal ein neues Tetrapak Wein. Wir müssen reden.


Nie mehr fremde Betten!
Herzliche Grüße,
Sarah

Dienstag, 22. August 2017

Auf die Schränke, fertig, los! So machen wir unseren Wohnwagen reisefertig

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust": die Seele einer Deko-Tante und die Seele einer Minimalistin. Die Deko-Tante, die im Rahmen ihrer Shopping-Touren im Depot schon zwei, drei Stellenangebote erhalten hat, weil sie sich dort so gut auskannte, verteilt im ganzen Haus munter Laternen, Körbe und unter anderem Duftkerzen. Die Minimalistin freut sich, dass sie wenigstens im Wohnwagen Ruhe vor all dem Gedöns hat. Schließlich ist nicht nur das Gewicht unserer Emma beschränkt, sondern auch der Platz darin. Wir müssen genau abwägen, was wir in den Urlaub mitnehmen (ich berichtete hier: Das schwere Schicksal der Emma Knaus).





Um nicht vor jeder Reise komplett von vorn mit dem Packen zu beginnen, sondern jederzeit mal spontan über ein Wochenende wegfahren zu können, ist unser Wohnwagen das ganze Jahr über mit den für uns notwendigen Dingen ausgestattet.





Die Grundausrüstung unserer Emma umfasst: 
  • Ein paar Kinderbücher, Gesellschaftsspiele, eine Puppe, Blätter und Stifte: also Spielsachen, die die Mäuse nicht unbedingt jeden Tag zu Hause brauchen, bleiben in den Oberschränken der Emma und werden gelegentlich ausgetauscht. Sie befinden sich in kleinen Plastikkörben und zwar mittig über unserer Sitzecke, die wir am Urlaubsziel in unser Bett umwandeln.




  • Küchenrolle, Bettlaken, Desinfektionszeug, Batterien, Ersatzglühbirnen, Kugelschreiber, Schere und Erste-Hilfe-Box bewahren wir ebenfalls in den Hängeschränken über unserer Sitzecke = Bett auf.
  • Auch Duschgel, Shampoo und unter anderem Sonnencreme haben wir stets in kleinen Flaschen in den Körben und dem Hängeschrank im Bad unseres Wohnwagens auf Vorrat - neben einem Reisefön, ein paar ausrangierten, aber immer noch schönen Handtüchern sowie für ein paar Tage ausreichendes Toilettenpapier. 



  • Die kleine Kochnische ist mit Plastiktellern, Bechern, Tassen, Schüsseln für Salat beziehungsweise Müsli (Oberschränke), einem Sieb, Besteck, Schneidbrettchen, Geschirrtüchern, Spülmittel, einer kleinen Tüte Waschpulver, Müll- und Gefrierbeuteln, Wachstuchtischdecke, einem Brotkasten, Topf, Bratpfanne und Wasserkocher (Unterschränke) bestens auf kurzfristige Reisen vorbereitet.
  • Ein Campingtisch mit vier Stühlen, ein kleiner Beistelltisch, ein klappbares Campingregal  fürs Vorzelt, eine mobile Wäschespinne  und eine Tasche mit Sandspielzeug für die Mäuse befinden sich unter dem Bett des Mäuserichs. 
  • Fernsehkabel, Mehrfachsteckdosen, Spüleimer, Handstaubsauger, Handfeger mit Schaufel und Oscars Näpfchen liegen unter den Bänken der großen Sitzecke.
In den Wohnwagen wandern also regelmäßig Dinge, die wir zu Hause nicht mehr benötigen, die aber noch zu gut erhalten sind, um sie wegzuwerfen.




Wir packen unsere Plastikkisten und nehmen mit:

  • unsere fertig bezogenen Kissen und Decken. Sie kommen während der Fahrt auf die Betten der Mäuse. Unser Bettzeug liegt währenddessen auf der großen Sitzbank.
  • Die Kuscheltiere der Mäuse, aktuelle Lieblingsspielsachen wie Tiptois oder Storios verstauen wir in den Hängefächern ihrer Schlafkojen. 
  • Die Kleidung für die Mäuse packe ich zu Hause in zwei Plastikboxen mit Deckel, die exakt in die Fächer unter den großen Sitzbänken passen. Am Urlaubsort sortiere ich sie dann in die Hängeschränke über der kleinen Sitzecke ein.
  • Ähnliches gilt für unsere Kleidung: Sie wird zu Hause in zwei Plastikkisten gelegt, die wir während der Fahrt unter dem Tisch der großen Sitzecke transportieren. Nach der Ankunft wandern unsere Klamotten in den kleinen Kleiderschrank, die Kisten kommen ins Vorzelt, wo wir schließlich unsere Schuhe und die der Kinder hineinwerfen.
  • Einen Beutel mit Kosmetiksachen für uns (Bad), einen weiteren mit Medikamenten für den Notfall (Oberschrank) packen wir ebenfalls stets aufs Neue ein.




  • Genau wie zwei Tüten Milch, zwei Flaschen Wasser (unter der kleinen Sitzbank), Müsli, Nutella, Marmelade, Reis, Nudeln, Saucen und Suppen aus der Tüte (für den Notfall; Oberschrank der Kochnische), Salz, Pfeffer, Gemüsebrühe, Zucker, Mehl und Vanillezucker (Unterschrank der Kochnische) sowie Joghurt, Margarine, Wurst, Käse (Kühlschrank), Zwiebeln und Äpfel.
  • Unser Weber-Gasgrill zum Mitnehmen und das Waffeleisen sind ebenfalls schnell verstaut.
  • Auch Oscars Futter und sein Körbchen sowie eine Zeckenzange gehen stets mit auf Tour.                                        







Eine Liste in meinem Handy sorgt dafür, dass wir nichts davon vergessen. Vor jedem eingepackten Gegenstand setzen wir einen Haken, den wir nach jeder Reise wieder entfernen, damit wir die Liste mit all unseren Must-Haves und einigen Nice-To-Haves für die nächste Tour wiederverwenden können. So sparen sowohl die Dekotante als auch die Minimalistin viel Zeit und vor allem viel Stress, den sich meine beiden schrulligen Mitbewohnerinnen nicht vor unserem gemeinsamen Urlaub machen wollen. Denn in unserem Urlaub wird's noch stressig genug, wenn wir zwei uns zum Beispiel um die letzte freie Strandliege streiten. 😂

Macht Euch keinen Stress!
Herzliche Grüße, 
Sarah