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Samstag, 3. März 2018

Ein Bauch voller Gefühle: 38 Schwangerschaftswochen mit viel Risiko und noch mehr Glück

„Du hattest aber auch eine Horror-Schwangerschaft.“ Da schwebte er, dieser Satz. In gewaltig großen Buchstaben schob er sich quer über den Esstisch zwischen mich und meine Freundin. Während meine beiden Mäuse oben durch die Kinderzimmer tobten, wurde es unten, im Wohnzimmer, ganz still. Dieser Satz traf mich mit aller Wucht, weil ich darauf nicht vorbereitet war. Er wirkte auf mich so verletzend, obwohl das vermutlich gar nicht die Absicht war. Und so überheblich, weil er noch dazu von einer Frau kam, die sich selbst glücklich schätzen konnte, schwanger geworden zu sein. Denn das ist nicht immer selbstverständlich. Dieser Satz klang, als müsste man mich für meine Schwangerschaft bemitleiden. Bullshit.




Ich hatte keine "Horror-Schwangerschaft" - wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich hatte eine sogenannte Risiko-Schwangerschaft mit Hochs, Tiefs und einem vor Glück glucksenden Ende, das mir heute fröhlich plappernd die Welt erklärt. Und ich bin in diesen 38 Wochen gereift - vielleicht sogar ein bisschen mehr als manch andere.




Als ich vor sechs Jahren, rund 15 Monate nach der Geburt der Zaubermaus, zum zweiten Mal wie geplant schwanger wurde, hatte ich bereits etwas Routine: Ich wusste, wie man einen Schwangerschaftstest macht und auch wie die erste Vorsorgeuntersuchung ablief. Da es bei meiner ersten Schwangerschaft keine Probleme gegeben hatte, ich „erst“ 30 war und auch sonst keinerlei Risikofaktoren (keine Zigaretten, kein Alkohol, keine vorherige Fehlgeburt) existierten, war ich auf mögliche Komplikationen nicht gefasst. 
Etwas mulmig wurde mir, als meine Frauenärztin in der 16. Schwangerschaftswoche einen kleinen Bluterguss in der Gebärmutter fand. Ich sollte mich in den kommenden Wochen etwas schonen, empfahl sie mir. Das Baby könnte mit dem Bluterguss abgehen, wenn sich dieser löse, las ich später im Internet.





Aber der kleine Mann blieb. Dass sich der Bluterguss zurückgebildet hatte, war bei der Untersuchung in der 20. Woche die erste Überraschung, die zweite: dass wir einen Sohn bekamen. Und die dritte folgte im nächsten Satz, dessen Bedeutung mir erst in den kommenden Wochen bewusst werden sollte. „Ihre Plazenta sitzt sehr tief.“ Über meinen Mutterkuchen hatte ich mir zuvor noch nie groß Gedanken gemacht, wo er sitzt, was er da so macht, wohin er wandert, was nach der Entbindung mit ihm passiert (ich plante also nicht, ihn unter einer Eiche zu verbuddeln). Mir waren stets die gleichmäßigen Herzschläge meines Babys wichtiger, dass es mit der Zeit an Gewicht beziehungsweise Größe zulegte und sich die Organe und Gliedmaßen ausbildeten. Ich sollte mich weiter schonen, vielleicht würde die Plazenta in den kommenden Wochen noch nach oben wachsen, sagte meine Frauenärztin. Als Freiberuflerin konnte ich zunächst auch noch weiterhin arbeiten, reduzierte meine Aufträge jedoch auf Telefoninterviews und Home Office.




Von einer placenta praevia, die übrigens gar nicht so selten vorkommt, spricht man in der Regel ab der 24. Woche. Bei einer weiteren Kontrolle im zweiten Trimester bestätigte meine Frauenärztin, dass sich meine Plazenta in der Nähe des Gebärmutterhalses eingenistet hatte - statt wie üblich brav oben oder seitlich an der Gebärmutter zu haften. Somit befand sie sich viel zu nah am Muttermund, den sie später teilweise oder ganz überdeckte - richtig deutlich haben die Ärzte das bei mir nie sehen können. Ich weiß bis heute nicht, ob ich eine placenta praevia marginalis, partialis oder totalis hatte, so die medizinischen Fachbegriffe für die verschiedenen Formen, die ich rauf- und runtergoogelte.




In der Zwischenzeit hatte ich nämlich viel zu viel im Internet recherchiert und auch alle unqualifizierten Beiträge selbsternannter Experten wie „Honeybunny79“ oder „Helikoptermom2012“ nahezu verschlungen, die - mit klarem Verstand betrachtet - zu meinem individuellen Schicksal doch eigentlich rein gar nichts sagen konnten. Ich wusste inzwischen, dass als mögliche Ursachen bei mir der „eilige“ Kaiserschnitt bei der Geburt der Zaubermaus infrage kam, und dass ich relativ rasch hintereinander wieder schwanger geworden war.
Ich hatte auch gelesen, dass eine spontane Geburt aufgrund der Position des Mutterkuchens recht schwierig beziehungsweise nicht möglich wäre - was ich nicht weiter tragisch fand. Die 23 Stunden Wehen, die ich bei der Zaubermaus hatte, reichen als Geburtserfahrung für drei Kinder. Und ich las, dass es mir jederzeit passieren konnte, dass ich die restlichen Wochen meiner Schwangerschaft zur stationären Kontrolle möglicher Blutungen liegend im Krankenhaus verbringen musste: In seltenen Fällen könne es zu einer Ablösung der Plazenta kommen, was mitunter lebensgefährlich für Mutter und Kind sei, so hieß es.





Meine erfahrene, kluge und besonnene Frauenärztin beruhigte mich jedoch. Einen ihrer prägnantesten Sätze gebe ich bei Angst vor Erkrankungen heute noch gern weiter: „Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen, was die kommenden Wochen betrifft. Genießen Sie lieber jeden Tag und lesen Sie lustige Bücher. Ihnen kann schon jetzt, wenn Sie aus dem Haus treten, ein Ziegelstein auf den Kopf fallen. Dann wären alle Sorgen umsonst.“

Ich durfte zu Hause bleiben und bekam über meine Krankenkasse eine Haushaltshilfe gestellt, auf die ich bereits nach sechs Wochen wieder verzichtete: Sie betreute lieber meine Tochter als im Haushalt zu helfen - doch das wollte ich selbst. Meine Mama kam stattdessen zwei- bis dreimal unter der Woche zu uns, bügelte, putzte, half mir beim Kochen und sorgte dafür, dass es mir, der Zaubermaus und dem Mäuserich in meinem Bauch gut ging. 





Denke ich heute zurück, erinnere ich mich daran, die ganze Zeit über ein Handy in einer kleinen Tasche um den Hals getragen zu haben, falls ich Blutungen bekommen sollte und den Rettungsdienst alarmieren musste - was zum Glück nicht geschah. Ich weiß noch, dass ich insgesamt vorsichtiger war und mich überwiegend in unserem Haus und Garten aufhielt, weil ich vorzeitige Wehen vermeiden sollte. Ich entsinne mich an so manche Nacht, in der ich vor Angst weinte, dass der Mäuserich viel zu früh auf die Welt kommen könnte.
Ich denke aber auch gern daran zurück, wie ich tagsüber sanft mit der Zaubermaus tanzte, die damals noch nicht im Kindergarten war, wie wir täglich am Sandkasten saßen, immer wieder über meinen wachsenden Bauch streichelten und wir alle lachten, wenn der Mäuserich darin mal wieder Schluckauf hatte.




Wir richteten in den kommenden Wochen nicht nur das Babyzimmer ein, sondern auch uns selbst auf den geplanten Kaiserschnitt etwa zwei Wochen vor errechnetem Entbindungstermin. Anders als bei der Maus, bei der die Geburt mit einem plötzlichen Blasensprung begonnen hatte, durften wir uns den Geburtstag unseres Sohnes selbst aussuchen. Auch das war etwas Besonders.

In den letzten Wochen vor der Geburt „übergab“ mich meine Frauenärztin ans Krankenhaus, dessen Ärzte mit all ihren Geräten, Messungen und zum Teil einander komplett widersprechenden Aussagen ordentlich Verwirrung bei uns Eltern stifteten. Am Vormittag des 16. August 2012 zeigte sich, wie richtig und wichtig es war, dass ich die ganze Zeit auf mein Bauchgefühl gehört hatte: Ich wollte aufgrund des möglichen Risikos nicht spontan entbinden, sondern bestand auf den geplanten Kaiserschnitt. Ich verlor dabei extrem viel Blut - vermutlich hatte die Plazenta doch mehr Platz eingenommen als von den Medizinern berechnet. 
Mit einem Gewicht von 3490 Gramm, einer Größe von 51 Zentimetern, allen zehn Fingern, Zehen und einem kräftigen Löwengebrüll, das in den kommenden Tagen durch die gesamte Station hallen sollte, kam der Mäuserich auf die Welt. Der kleine Kerl ist kerngesund, kräftig und macht den ganzen Tag nichts als Quatsch. Ende gut, alles gut.


Für all die kleinen und großen Schicksalsschläge, die das Leben in der Regel nun mal mit sich bringt, brauchte ich bislang kein Mitleid. Mitgefühl hingegen ist immer schön.

"Das Leben ist schön. Von 'einfach' war nie die Rede."
- Unbekannt - 


Was lernen wir daraus: Hört auf Euer Bauchgefühl (auch bei Menschen), genießt jeden einzelnen Tag und schaut immer mal nach oben, wenn Ihr aus dem Haus tretet ;-).


Herzliche Grüße,
Sarah


Mittwoch, 13. Dezember 2017

DIY: Papiersterne aus Butterbrottüten - Frau poliert die Weihnachtsdeko auf

Ihr kennt das. Frau will zwei Zahnbürsten kaufen. Zielstrebig fuhr ich zu dm und nahm weder Korb noch Wagen, weil ich ja nur zwei Zahnbürsten brauchte. Ich eilte hinein und kam keine 15 Minuten später wieder hinaus.



In der linken Hand trug ich eine Flasche Geschirrspülreiniger, weil der im Angebot war, und zwei Haarkuren, die ich laut meiner Friseurin dringend nötig hatte. Unter den Arm geklemmt hatte ich die hautstraffende Body Lotion Q-sowieso, die laut InStyle aus Meghan Markle eine angehende Prinzessin gemacht hat, eine Packung Dinkelflocken und eine Flasche Desinfektionsreiniger (wegen Magen-Darm-Scharlach-Hand-Mund-Fuß-Welle und so), mit rechts umklammerte ich eine Packung Servietten („oh, die sind ja hübsch“) und den neuesten Nagellack meiner Lieblingsmarke, der weder grau noch rosa, noch rosé oder taupe ist wie die in meinem Badschrank, sondern grau-rosa-rosé-taupe. 

Meine Spontankäufe balancierend, wankte ich zum Auto, weil ich wieder mal dachte, es geht auch ohne Tüte - und bemerkte dann wieder mal, dass sich mein Autoschlüssel zuunterst in der einen, nee, der anderen Manteltasche befand, weshalb ich den ganzen Kram mit einem Ruck auf die Motorhaube unseres Autos kippen musste (sorry, Schatz - aber so kommt wenigstens mal die Poliermaschine zum Einsatz, die Du unbedingt haben wolltest).


Einen Streifen Kleber von oben nach unten
und an der geschlossenen Seite von links nach rechts auftragen

Mann will zwei Zahnbürsten kaufen. Zielstrebig fährt Mann zu dm, nimmt weder Korb noch Wagen, weil er ja nur zwei Zahnbürsten braucht. Mann eilt hinein und kommt keine zwei Minuten später wieder hinaus. Mann hat zwei Zahnbürsten gekauft, schließt das Auto auf, setzt sich hinein und fährt los.



Tüten aufeinanderlegen. Ordentlich aufeinander legen. Ich sagte ORDENTLICH. :-)


Gelohnt hat sich mein Einkauf allein wegen der Packung Butterbrottüten mit schwarzen Sternchen (gibt`s auch in Rot), die ich zuvor zwischen meine Zähne geklemmt hatte. An denen hätte ich nun wirklich nicht achtlos vorbeigehen können. Zunächst dachte ich, dass ich damit die Pausenbrote der Mäuse hübsch verpacken könnte, dann sah ich den eigens aufgedruckten Kreativ-Tipp (Danke, liebes dm-Team), dass man daraus große Papiersterne basteln könne. Zuhause legte ich mit den Mäusen sofort los.




Neue Tüten, neue Streifen Kleber


Wir zählten sieben Papiertüten ab (geht auch mit normalen Butterbrottüten und natürlich auch ohne Sterne und übrigens auch mit sechs Tüten und sogar mit zwölf, wie ich gehört habe). Auf jeweils eine Seite der Butterbrottüten (ich habe mich für die Rückseite entschieden, weil da der vorgegebene Falz zu sehen ist) haben wir zunächst in der Mitte über die gesamte Länge mit einem Klebestift einen Streifen gemalt. Und dann noch einen zweiten Streifen: quer - entlang der geschlossenen Seite. Darauf legten wir die zweite Tüte und wiederholten den Klebevorgang: ein Streifen von oben nach unten, ein weiterer waagerecht (t-förmig). Dann legten wir die dritte bündig auf den Stapel...und schließlich die siebte. Das geht in der Regel ratzfatz.



Eine Spitze in den Tütenstapel schneiden (geöffnete Seiten)



Mit einer Schere haben die Mäuse etwa ab Höhe des oberen Drittels eine Spitze in den Tütenstapel geschnitten. Sollen die Sterne leuchten, schneidet man unten, in die geschlossene Seite, noch ein kleines Dreieck. Auch in die Seiten rechts und links kann man kleine halbrunde Kreise oder Dreiecke schneiden. 

An die Spitzen der oberen und unteren Tüten fassend, fächerten wir diese zu einem Stern auf (lässt sich nach Weihnachten auch gut wieder zusammenfächern). Oben machte ich noch zwei Löcher in die jeweiligen Spitzen der beiden Fächer-Enden und fädelte ein Band zum Aufhängen hindurch. Wer mag, kann in die zwei oberen Tüten noch LED-Teelichter hineinlegen.

Jetzt, wo wir etwas Übung haben und in die vorweihnachtliche Serienproduktion für unsere Freunde und leicht zu begeisternden Nachbarn gegangen sind, benötigen wir keine fünf Minuten mehr pro Stern. Die Papiersterne sind einfach wunderschön anzusehen und machen noch dazu ordentlich was her - dafür, dass das Material recht günstig war (etwa 2,95 Euro pro 24er-Packung Papiertüten, aus der man drei Sterne à 84 Cent basteln kann).

Nach dem Einkauf: Frau bastelt tagelang zauberhafte Papiersterne und freut sich. Mann benutzt zum ersten Mal seine Poliermaschine, um die Dellen und Kratzer vom Einkauf der Frau aus seiner Motorhaube zu entfernen - und freut sich. Frau und Mann: beide glücklich.




Macht's Euch schön!
Herzliche Grüße,
Sarah



*Auch dieser Beitrag wurde nicht gesponsert. Ich bin aus freiem Willen zu dm gefahren, habe all diese Produkte (leider) selbst ausgewählt und (leider) auch bezahlt. 

Samstag, 2. Dezember 2017

Hereinspaziert, Ihr kleinen Wichtel! Ihr werdet gebraucht!

Hiermit bedanke ich mich herzlich bei den Eltern von - hmm, nennen wir ihn - Tom, die in diesem Jahr beschlossen haben, Schluss zu machen mit all den jahrelangen Heimlichkeiten, Mauscheleien und perfiden Lügenkonstrukten, zu denen sie sich in den vergangenen Jahren gezwungen sahen. "Es gibt keinen Weihnachtsmann", haben sie ihrem sechs Jahre alten Sohn konsequent erklärt, der diese Behauptung seit einigen Wochen stoisch auf dem Schulhof wiederholt.




Nicht aus religiösen Gründen, nicht, weil Tom sie in flagranti im Spielzeugladen ertappt hat: Den Eltern von Tom - hmmm, nennen wir sie Susi und Klaus - war es  schlichtweg zu anstrengend, weiterhin unter größtmöglicher Ablenkung kommodengroße Pakete an ihrem Kind vorbei in den Keller zu schmuggeln. Sie sahen es nicht mehr ein, ab Mitte Oktober auf mehrere Quadratmeter ihrer Wohnfläche zu verzichten, weil hinter den verschlossenen Türen Barbie-Traumhäuser, Puppentheater und Kaufmannsläden aufbewahrt werden. Sie hatten keine Lust mehr, ihrem Sohn all die Fragen zu beantworten, die Erstklässler nun mal - gern immer und immer wieder - stellen: "Mama, warum ist die Kellertür abgeschlossen?", "Papa, warum hat der Weihnachtsmann gestern bei der Bescherung bei uns einen dicken Bauch und heute bei Oma plötzlich keinen mehr?", "Mama, warum klingt die Stimme des Weihnachtsmannes so wie die von Onkel Mathias?", "Und warum geht Onkel Mathias genau immer dann so lange auf Toilette, wenn der Weihnachtsmann kommt?". 

Also: Weg mit dem Weihnachtsmann, her mit der gähnend langweiligen Transparenz. Schon in der ersten Klasse bereiten Susi und Klaus ihren Sohn auf die nüchterne Welt der Erwachsenen vor - die selbst uns Erwachsenen manchmal etwas zu nüchtern erscheint.




Seitdem der kleine Grinch in der Schule meiner Tochter sein Unwesen treibt, rüste ich konsequent auf. Ich schmücke alles und jeden in Haus und Garten. Ich lese meinen Kindern noch mehr Weihnachtsgeschichten vor, die unsere "Und-den-Weihnachtsmann-gibt-es-doch-These" untermauern. Ich lasse die Pakete zu unseren Nachbarn liefern, bewahre die fertig verpackten Geschenke an unterschiedlichen Orten im ganzen Haus auf und bin konzentriert bei der Sache, wenn ich den Mäusen ihre Wieso?-Weshalb?-Warum?-Fragen rund um Weihnachten beantworte, damit mein Mann und ich ihnen einheitliche Versionen präsentieren. Auch personell habe ich aufgestockt: Tom und seine Eltern sind zu dritt. Ich habe uns die Wichtel ins Haus geholt. Und das sind viel mehr.




Seit der Nacht zum 1. Dezember befindet sich an einer Wand inmitten unseres Wohnzimmers eine Wichteltür (pssst, ich schreibe es ganz leise: Es gibt sie in verschiedenen Varianten im Internet, man kann sie aber mit etwas Geschick und Pappe oder Sperrholz auch ganz leicht selbst basteln). Zum ersten Mal entdeckt habe ich sie auf dem absolut lesenswerten Blog MamaWahnsinnHochDrei. Ich war sofort entzückt. Etwa handtellergroß mit winzig kleinem Türgriff und passendem Sprossenfenster haben "die Wichtel" sie nachts über der Sockelleiste installiert. Sogar ihre eigene Zwergtanne haben sie mitgebracht. "Papa und ich haben uns schon gewundert, wer da nachts so gehämmert und gesägt hat. Jetzt wissen wir es: die Wichtel!", erzählte ich morgens den Mäusen, die fasziniert mit leuchtenden Augen vor der Tür lagen und versuchten, durch das Fenster zu spähen.





Seitdem gehen die Wichtel, die den extrem beschäftigten Weihnachtsmann in diesen hektischen Wochen so tatkräftig unterstützen, bei uns ein und aus. Nachts, wenn die Mäuse schlafen, werden die kleinen Helferlein aktiv, tagsüber bleibt ihre Tür verschlossen - da hilft leider auch kein Rütteln. Sie haben unter anderem den Adventskalender mitgebracht und sind auch sonst immer wieder als Vermittler zwischen uns und dem Weihnachtsmann unterwegs. So teilen sie ihm zum Beispiel mit, wenn die Mäuse noch Ergänzungen zu ihrem Wunschzettel haben, die sie in kleinen Briefen vor die Tür legen. Häufig kommt sogar ein Brief zurück. Überhaupt helfen sie uns Eltern, wenn wir in Erklärungs- oder Erziehungsnot geraten. "Das waren die Wichtel", "das machen die Wichtel", "wenn du weiterhin dieses Schimpfwort sagst, hören das die Wichtel."




Die kleine "Feentür", so eine der offiziellen Bezeichnungen, wird in Zukunft auch von der Zahnfee benutzt, die bislang "irgendwie" durchs geschlossene Fenster zu uns kam. Im Frühling wird der Osterhase durch die kleine Pforte unser Haus betreten. Und überhaupt: Fest verschlossen wird sie das ganze Jahr über dafür sorgen, dass möglichst viel Zauber in unserem Haus bleibt und möglichst wenig abgeklärte Nüchternheit von draußen hereinkommt.




Schade, dass die Eltern von Tom offensichtlich nicht wussten, dass es diese Feentüren gibt, die relativ unkompliziert und günstig erhältlich sind (in diesem Fall kommt dieser Beitrag zu spät). Eine Wichteltür hätte den Moment der Wahrheit für Tom sicherlich um einiges verzögert - und somit die Zeit der weihnachtlichen Heimlichkeiten, mit denen wir die Augen unserer Kinder zum Leuchten bringen und ihre Kindheitserinnerungen prägen, noch ein wenig verlängert. Für Euch aber gilt: Öffnet Eure Türchen und lasst den Zauber in Euer Haus!

Herzliche Grüße,
Sarah

Samstag, 25. November 2017

DIY: Bunte Geschenkanhänger aus Salzteig - weil wir die noch nie so gemacht haben

Ich bin keine Verfechterin von festgefahrenen Familientraditionen. Mein Mann muss nicht am Kopf des Tisches thronen, wenn wir gemeinsam essen. Er sitzt mit seinen starken Nerven ganz einfach neben dem Kind, das am meisten über mein Essen motzt - und das wechselt je nach Mahlzeit. Es gibt bei uns auch keine obligatorischen Sonntagsspaziergänge mit Mütze, Schirm und Mantel oder das eine spezielle Wochenende, an dem wir - wie in jedem Jahr - unseren Weihnachtsbaum selbst im Wald schlagen. Wir holen mal eine Tanne, mal eine Fichte, mal beim Förster, mal im Baumarkt. Starre "Weil-wir-das-schon-immer-so-gemacht-haben"-Traditionen, die schon von den Schwiegereltern der Schwiegereltern pedantisch eingehalten wurden und von Generation zu Generation pflichtbewusst weitergegeben werden, gibt es bei uns nicht. Ein selbstbestimmtes, spontanes "Weil-wir-das-noch-nie-so-gemacht-haben" passt einfach besser zu uns.




Das soll jedoch nicht heißen, dass wir mit unseren Kindern keine Rituale pflegen. Nach dem Zähneputzen und vor dem Einschlafen lesen wir ihnen zum Beispiel jeden Abend in unserem Bett eine Geschichte vor. Auch müssen sie unserem Schornsteinfeger jedes Mal die Hand geben, wenn er zum Kehren kommt - da bin ich abergläubisch. Zu den Kindern kommt die Zahnfee, wenn sie abends ihre ausgefallenen Milchzähne aufs Fensterbrett gelegt haben. Liegen dort die selbstgebastelten Wunschzettel, holt der Weihnachtsmann sie ab. Und stehen am Vorabend unsere Stiefel vor der Haustür, die wir ausnahmsweise geputzt haben, weiß auch der Nikolaus, dass die Mäuse brav genug  waren, um sie zu füllen.




Zwei, drei Riten folge ich selbst übrigens auch: Ich hole - in der Regel - nie vor Totensonntag die Kisten mit der Weihnachtsdeko vom Dachboden, schmücke das komplette Haus immer erst, wenn  ich die Fenster geputzt habe (sonst sieht man vor lauter Hand- und Pfotenabdrücken die Leuchtsterne nicht) und räume pünktlich zum 6. Januar das letzte Rentier zurück auf den Speicher. Nicht, weil ich das schon immer so gemacht habe oder erzkatholisch bin, sondern weil ich es immer wieder wichtig finde, mich in Geduld und Vorfreude zu üben - und auch den Kindern in einer Welt, in der per Mausklick alles innerhalb von 24 Stunden lieferbar ist, diese Werte zu vermitteln.




Deshalb funkelt bei uns Mitte November noch keine Lichterkette am Baum, liegt noch kein Adventskranz auf den Tisch, hängt noch kein Adventskalender im Wohnzimmer. Und deshalb haben wir bis jetzt noch keine Weihnachtsplätzchen gebacken. Aber wir haben Lebkuchenhäuser verziert,  ein paar Sterne im Haus verteilt - denn Sterne gehen immer - und Figuren aus Salzteig gebacken - denn Salzteig geht irgendwie auch immer.




In Sachen Salzteig habe ich unter den DIY-Ideen von DaWanda eine Entdeckung gemacht. Bisher haben wir Igel, Männchen und Kerzenständer aus Salzteig geknetet oder mit Förmchen aus dem Teig gestochen. Das wurde uns im Laufe der Jahre zu eintönig. Selbst im bemalten Zustand eigneten sich die Anhänger, die wir aus dem Teig ausstachen, leider nur bedingt zum Verschenken: Eines meiner Kinder hatte immer seine "düstere Phase", in der es ausschließlich mit dunkelbraunen, schwarzen oder schleimgrünen Wasserfarben experimentierte - und seien wir mal ehrlich: Welche liebe Omi hängt sich schon mit Freude einen dunkelbraunen Klumpen an ihren festlich rot geschmückten Baum? Hier die Lösung, die aus faden Salzteig-Anhängern dekorative Hingucker macht: Lebensmittelfarbe. Die gibt es nämlich - fein säuberlich und kleckerfrei - als abgepacktes Pulver. 



Zutaten für klassischen Salzteig:


  •  2 Teile Mehl (ich nehme 1000 g Mehl)
  • 1 Teil Salz                        (500 g Salz)
  • 1 Teil Wasser                   (500 ml Wasser) 
  • (evtl. ein Teelöffel Speiseöl für mehr Geschmeidigkeit)

Nach diesem simplen Rezept habe ich zunächst ganz fix den Salzteig angerührt (mit meiner Küchenmaschine, ja, geht selbstverständlich auch mit dem Handrührgerät, und jahaaa sicherlich auch mit dem Thermomix ;-)) dann in sechs Portionen aufgeteilt (für jede Farbe eine) und beim Rühren einfach das jeweilige Farbpulver untergemischt.
Die Mäuse fanden es super, aus den unterschiedlich gefärbten, etwa fünf Millimeter dick ausgerollten Teigmassen mit kleinen Fondant-Förmchen zum Beispiel ihre Anfangsbuchstaben auszustechen und mit den Herzen, Tannenbäumen sowie unter anderem Sternen der größeren Plätzchen-Ausstecher zu kombinieren. Vor Ostern eignen sich übrigens auch Hasen- und Ei-Formen, das ganze Jahr über sind Häuser toll. Hübsch sind kleine Pünktchen-Ränder, die wir mit Zahnstochern in den Teig piksten. Auch Keksstempel lassen sich gut einsetzen.




Mithilfe eines Bleistift-Endes stießen wir im Rohzustand schließlich ein Loch durch die modellierten Figuren, durch die wir nach dem Backen - etwa zwei Stunden lang bei 100 bis 120 Grad im vorgeheizten Backofen - ein Band zum Aufhängen fädelten.




Weil wir das noch nie so gemacht haben, freue ich mich jetzt umso mehr, wie schön die roten, blauen, grünen und lilafarbenen Geschenkanhänger geworden sind, die sich die liebe Omi voller Stolz an ihre Weihnachtszweige hängen kann. Ob spontan vor oder traditionell nach Totensonntag, soll sie bitte ganz allein entscheiden (sie ist ja auch schon groß) - und zwar: wie es ihr gefällt.




Macht Euch locker!
Herzliche Grüße,
Sarah




      

Samstag, 11. November 2017

Mein Deal mit dem Weihnachtsmann: Laterne gegen Küchenmaschine

Lieber Weihnachtsmann, 
weißt Du, warum ich jedes Jahr aufs Neue eine perlweiß glänzende KitchenAid unter dem Weihnachtsbaum erwarte? Nicht, weil ich brav war (Du weißt eh, dass das nicht stimmt). Nicht, weil ich das ganze Jahr über dafür gesorgt habe, dass mein Mann ein sauberes Hemd im Schrank und meine Kinder eine warme Mahlzeit im Magen hatten. Denn dafür werde ich ja bereits am Muttertag großzügig mit Blümchen aus meinen selbstbepflanzten Beeten beschenkt. 
Ich wünsche mir, nein: ich verlange, verdammt noch mal, eine Küchenmaschine im Wert von mehr als 500 Euro (wenn das mal reicht), weil ich sie mir redlich verdient habe. Und zwar an einem einzigen Nachmittag, der stets etwa acht Wochen vor Heiligabend fett in meinem Kalender markiert ist, damit Du noch genug Zeit hast, meine KitchenAid in Deiner Weihnachtswerkstatt zusammenzubauen. 
Ich muss nämlich gar nicht das ganze Jahr über brav sein: In den zwei Stunden, in denen ich mal im Kindergarten, mal im Spielkreis, mal zu Hause die Laternen (ja, es sind sogar zwei!) für unsere Mäuse bastele, erarbeite ich mir hart die dicksten Geschenke, die Du auf Deinem Rentier-Schlitten transportieren kannst. 😂






Vor Weihnachten liegt der Sankt-Martinstag mit Laternenumzug durch unsere Kleinstadt. Und vor dem Umzug steht der Nachmittag an, an dem ich mit den Mäusen die zugehörigen Laternen anfertige. Und vor dem Nachmittag wiederum gibt es zwei Vormittage, an denen ich durch verschiedene Geschäfte hetze, um einen elektrischen Laternen-Stab zu finden, der erstens wenigstens einen Tag lang funktioniert und zweitens bezahlbar ist (der Einzelhandel hat nämlich schon längst erkannt, dass verzweifelte Mütter alles dafür zahlen würden, um gerade noch rechtzeitig einen der letzten LED-Stäbe zu ergattern).





Verschmitzt lachende Kürbisse, tanzende Einhörner, funkelnde Sterne und grinsende Dinos: Auch im Kindergarten basteln wir Erwachsenen die Modelle, die dem Alter der Kinder entsprechen. Und genau hier liegt das Problem, lieber Weihnachtsmann: Bei der Auswahl der Laternen fürs Basteln in homogenen Gruppen sollten nicht das Alter beziehungsweise die Feinmotorik der Kinder berücksichtigt werden, sondern viel wichtiger: die kreativen Fähigkeiten ihrer Eltern. 😜
Denn während mein werter Nachwuchs schon längst das Kuchenbüfett geplündert hat, unter den Basteltischen und zwischen den Kinderstühlen Fangen spielt, auf denen ich mich einigermaßen elegant sowie rückenschonend zu halten versuche, gerate ich mächtig ins Schwitzen. Mit Pergamentschnipseln in den Haaren, einer Kinderschere in der Hand, mit Kleber auf Haut, Hose und Handtasche forme ich aus einem Berg von buntem Papier so etwas wie lampionförmige Gebilde, mit denen sich meine Kinder irgendwie immer nur bei Dunkelheit aus dem Haus trauen.  





Also noch mal, lieber Weihnachtsmann: Nur weil der Mäuserich zu den älteren Kindern gehört, die deshalb eine anspruchsvolle Laterne basteln könnten, heißt das noch lange nicht, dass ich als seine Mama eine anspruchsvolle Laterne basteln kann. Beim Basteln bewege ich mich nämlich auf U3-Niveau! In dem Moment, in dem die Kinder in altersgleiche Gruppen aufgeteilt werden, wünsche ich uns jedes Mal zu den Jüngsten. Ich hätte gern zwei fertige, vorgestanzte Kreise, einen schmalen Streifen Pergamentpapier, ein bisschen Kleber, ein kleines Stück Draht zum Aufhängen und Fingerfarbe für zwei Handabdrücke des Mäuserichs. Fertig. 





Ich finde mich jedoch seit längerem bei den Fortgeschrittenen wieder und somit zum Beispiel vor einem Stapel aus gelbem Karton, aus dem mit etwas Geschick eventuell mal eine herzförmige Laterne werden könnte. Der Mäuserich schneidet zwei Herzen aus, für die dankenswerterweise bereits eine Schablone angefertigt wurde. Dann assistiere ich ihm dabei, wie er seine Schere hochkonzentriert entlang einer langen Linie führt, die ebenfalls zum Glück schon vorgezeichnet wurde (man weiß offensichtlich bereits, dass ich trotz Lineal nicht mal einen geraden Strich hinbekomme). Den Rest mache ich wie immer allein, weil der Mäuserich es vorzieht, Schmandkuchen zu essen, von dem er seiner Mama nicht ein Stück abgibt (ich hoffe, Du siehst auch das, lieber Weihnachtsmann), Verstecken zu spielen und den anderen Eltern zuzuschauen, die in der Gruppe nebenan die leichteren Laternen basteln. 





Ich schneide (mich), ich klebe (selbst), ich (ver)fluche (meinen Mann, der ausnahmsweise länger arbeiten muss - für ihn ein Geschenk weniger, lieber Weihnachtsmann) - jedoch so leise, damit weder die Kinder noch Du es hören könnt. Und ich bin nicht allein. In Sachen Basteln ist nun mal nicht jeder talentiert. Dafür kann ich backen. Ach nee, kann ich ja auch nicht. Lesen - das kann ich. Und schreiben - hilft mir beim Laternenbasteln nur leider nicht viel.





Das gemeinsame Laternenbasteln bereitet mir aber trotzdem viel Freude: Schließlich bringe ich am Ende dieser Nachmittage mit unseren verklebten und verknickten Nicht-schön-aber-selten-Exemplaren die Augen unserer Kinder so zum Leuchten wie die wunderschönen Laternen selbst, die wir in diesen Tagen wieder singend durch die Straßen tragen. 






Stolz auf jedes Modell, das wir gebastelt haben - vom einfachen bis zum komplizierten Bausatz - bewahre ich die Laternen nach ihrem Einsatz in einem XXL-Karton auf dem Dachboden auf. Im Herbst hänge ich sie alle an einer Lichterkette in unserem Wohnzimmer auf, wo sie nicht nur zeigen, wie schnell die Zeit vergeht, wie sich die Mäuse weiterentwickeln und wie viel Mühe in jeder einzelnen von ihnen steckt... An unserer funkelnden Laternen-Sammlung siehst Du auch, lieber Weihnachtsmann, wie sehr ich mir diese KitchenAid in all den Jahren verdient habe. 

...so langsam dämmert es mir, warum ich in all den Jahren noch keine megateure Küchenmaschine als Belohnung für meine Strapazen beim Basteln bekommen habe. Weil es an Sankt Martin gar nicht darum geht, selbst beschenkt zu werden, sondern darum, mit anderen Menschen zu teilen: den eigenen Mantel, das letzte Hemd, Freude, ein Lachen, beim Basteln: Kleber und Schere. Es geht um Bescheidenheit und Mitgefühl - wovon man nie genug haben kann. Ach, lieber Weihnachtsmann, vergiss die KitchenAid und kümmere Dich um die, die keine Luxussorgen haben.  

Macht's Euch gemütlich!
Herzliche Grüße (auch an Dich, lieber Weihnachtsmann),
Sarah

Samstag, 23. September 2017

Zurück in die Zukunft: Wenn Mama wieder in die erste Klasse geht

Ich habe in den vergangenen Jahren Puppen gewickelt, für Hot-Wheels-Autos mehrstöckige Garagen konstruiert, im Sand verwinkelte Burgen gebaut und mit dicken Backen Seifenblasen durch unseren Garten gepustet. Seit ein paar Wochen gehe ich in die erste Klasse. Die Nacht vor meinem ersten Schultag habe ich vor Aufregung nicht richtig schlafen können. Am Morgen zog ich mir meine schönen Kleider an und setzte mich im Gottesdienst in eine der vorderen Reihen. Zunächst beobachtete ich gespannt, wer mein Lehrer, wer meine Klassenkameraden sein würden, dann erleichtert, dass ich unter all den vielen Mädchen in meiner Klasse bestimmt eine Freundin finden würde, mit der ich in der Pause spielen kann. Mit klopfendem Herzen betrat ich das Schulgebäude, meinen bunten Klassenraum. Dann gab ich meiner Zaubermaus zum Abschied heimlich ein Küsschen, weil ihr das vor ihren neuen Schulkameraden peinlich ist, und fuhr nach Hause. 




Ich gehe wieder in die Grundschule. Genauer gesagt: meine Zaubermaus. Weil sie aber mein Herz ist, das seit ihrer Geburt außerhalb meines Körpers durch die Welt hüpft, durchlebe ich derzeit eine zweite Kindheit. Und zwar mit all der Aufregung, der Neugier, Naivität, Freude, mit all den Hoffnungen und möglichen Enttäuschungen, die zum Groß- und Starkwerden dazugehören. Ich selbst bleibe brav vor dem Schulhof stehen, während die Zaubermaus mit tanzendem Ranzen im Schulgebäude verschwindet, weil ich mich grundsätzlich nicht lange in den Gebäuden aufhalte, in denen ich meine Kinder gut aufgehoben weiß. Denn das ist für mich in der Regel Sperrzone, ihr Mamas-müssen-draußen-bleiben-Bereich, in dem sie Kontakte knüpfen, kleinere (!) Konflikte selbst bewältigen, selbstständig und selbstbewusst werden sollen. 




Ich selbst weiß mich in den drei, vier Stunden zwischen Bringen und Abholen gut zu beschäftigen - meine Gedanken wandern also nicht permanent von meinem Schreibtisch zum Pausenhof der Zaubermaus. Es sei denn, sie schreibt ein Diktat, für das die Maus am Tag zuvor geübt hat. Dann bin ich mitunter aufgeregter als meine kleine Große selbst, obwohl ich als Erwachsene weiß, dass das nur eine der klitzekleinen Prüfungen ist, die das Leben mit sich bringt. 




An dieser Stelle wird's für mich als Mama kompliziert: Heute weiß ich, dass es vollkommen egal ist, ob man vom Jungen am Nachbartisch immer wieder als "hässliches Huhn" gehänselt wird, weil genau dieser Kerl - aufgrund seines fehlenden Charmes, der Akne und der beginnenden Halbglatze mit 18 in der Disco nicht eine vernünftige Frau kennenlernen wird. Ich habe beobachtet, dass so mancher Klassenkamerad, der früher die lautesten Töne spuckte, weil er vielleicht eine Rechenaufgabe schneller lösen konnte als seine Mitschüler, heute ganz kleinlaut hinter seinem Chef durch den Discounter schleicht, in dem er Regale einräumt. Und ich habe gemerkt, dass meine Mitschülerinnen, die bereits in der fünften Klasse mit der Vielzahl ihrer festen Freunde angaben, später auch bei der Suche nach einem Mann fürs Leben offensichtlich nicht besonders wählerisch waren. Ich weiß inzwischen, dass die, die in der Schule die Größten, Schnellsten und Schönsten mit den coolsten Freunden waren, es unter Umständen bereits mit Anfang 30 nicht mal mehr ansatzweise sind.




  • Meine eigenen Erfahrungen gesammelt zu haben, 
  • mich gleichzeitig in die Gefühlswelt einer Sechsjährigen zu versetzen, die noch nicht die Weitsicht einer 36-Jährigen hat und es ganz schlimm findet, wenn sie für eine falsche Antwort, einen Versprecher oder ein uncooles T-Shirt ausgelacht wird,  
  • und dann auch noch die richtigen, möglichst kindgerechten Worte zu finden (ein "Mach Dir keine Sorgen", "Das wird schon", "Ach, alle doof" zieht halt nicht immer), ist für mich keine leichte Aufgabe. 



Weil ich aber jetzt schon weiß, dass meine Tochter und ich ein starkes Team sind, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann, werden wir gemeinsam auch das bisschen Grundschule meistern. Dann auf die weiterführende Schule wechseln, den Führerschein machen, durch die wildesten Clubs der Stadt ziehen, erst einen Beruf, dann gemeinsam einen Mann wählen, der uns beiden gefällt, das erste Kind bekommen und erziehen, dann vielleicht das zweite... Wir packen das. Denn zum Glück habe ich selbst das alles schon hinter mir. 


So, ich mache jetzt Hausaufgaben (für die mit der Maus) ;-)
Herzliche Grüße,
Sarah

Donnerstag, 7. September 2017

Schlicht und einfach nur schön: Wir feiern Kindergeburtstag!

Liebe Kinder - und an dieser Stelle vor allem: liebe Eltern! Ich muss Euch leider enttäuschen. Die Kindergeburtstage bei uns zu Hause waren bisher nicht besonders spektakulär. Auch nicht pädagogisch wertvoll, zu 100 Prozent ökologisch korrekt oder komplett ernährungsphysiologisch ausgewogen. Sondern schlicht und einfach nur schön. 



Stopp-Tanz, T-Shirt bemalen, Torwandschießen, Bilderrahmen bekleben, Dosen werfen und in diesem Jahr eine Schatzsuche quer durch unseren Garten: Mag sein, dass unser Programm für so manches Gast-Kind nicht unbedingt aufregend war, das bereits regelmäßig im EuroDisney, Legoland sowie Starlight Express ein- und ausgeht. Unsere Mäuse sowie alle weiteren kleinen Gäste hatten jedoch auch ohne Mega-Special-Effects jede Menge Spaß. 





Unsere Partys begannen nicht samstags um 11 Uhr, damit wir uns das Kuchenessen sparen konnten, weil die Kinder bereits davor wieder abgeholt wurden. Nicht unter der Woche nach 16 Uhr, weil wir eventuell noch warten mussten, bis die Nachmittagsbetreuung oder Vereinsaktivitäten zu Ende waren. Geburtstage gehen bei uns stets vor - hier werden schließlich einmalige Erinnerungen gesammelt. 

Punkt 15 Uhr fielen die Kurzen in unser Haus ein, setzten sich in einen Kreis, drehten die mit Perlen gefüllte Flasche in ihrer Mitte und gaben meinen Geburtstagskindern nacheinander ihre Geschenke, wenn der Flaschenhals auf sie zeigte. Das Flaschendrehen zur Geschenkeübergabe ist bei uns zur beliebten Tradition geworden, weil jedes Kind in Ruhe sein Päckchen überreichen kann und meine Kinder sich mit der gebührenden Aufmerksamkeit für jedes einzelne Geschenk bedanken können.



Geht easy-peasy und ist erschreckend gesund: Die Ideen zum Melonenschiff und den Obstspießen (die sich auch hervorragend für Erwachsenen-Partys eignen) habe ich auf Pinterest entdeckt. 

Es gab mit Fondant verzierte Eiskönigin-, Baustellen-, oder Feen-Käsekuchen, Prinzessinnen- oder Piraten-Muffins, erschreckend gesunde Gurkenkrokodile, Obstspieße sowie zum Beispiel ein Melonen-Schiff und Pizza, die die kleinen Gäste selbst völlig wirr belegten, manchmal auch Würstchen, die mein Mann inmitten des Gewusels seelenruhig! grillte. Wir spielten drei, vier Spiele, bastelten eine Runde gemeinsam und ließen die Jungs und Mädels anschließend noch eine gewisse Zeit frei im Haus beziehungsweise Garten toben. Und anschließend, nachdem gegen 18.30 Uhr all ihre Freunde mit einer Mitgebsel-Tüte ausgestattet wieder abgeholt worden waren, fielen unsere Mäuse - so wie wir selbst früher (und heute als Eltern wieder) jedes Mal müde, aber satt und glücklich ins Bett. Ziel erreicht, was will man mehr?





Um das in den kommenden Jahren auf Wunsch der Mäuse zu toppen, werden wir vielleicht mal ins Schwimmbad gehen, ins Kino, in den Kletterpark oder Eis essen. Was uns voraussichtlich nicht in den Sinn kommen wird: den kompletten Kindergeburtstag in ein Möbelhaus zu verlegen, während die Eltern der Gäste dort dreieinhalb Stunden durch die Küchenabteilung schlendern (müssen), oder Fünfjährige - die schon auf dem Hinweg vor Heimweh heulen - zu weit entfernten Indoor-Spielplätzen über die Autobahnen des Landes zu transportieren. 


Waffelbecher-Monster: Auch diese Anregung stammt von Pinterest.

Wir sind uns bewusst, dass zwei eigene und etwa acht eingeladene Kinder zwischen vier und sechs Jahren in der Lage sind, in dreieinhalb Stunden ein ganzes Haus komplett zu verwüsten: Da wird dann mal eben die Stoffmalfarbe auf Teppichen verteilt und die Toilette mit rollenweise Papier verstopft, da landet Kleber überall - nur nicht auf den Schnipseln, mit denen die Windlichter verziert werden sollen - und auch meine Küche ist nach dem gemeinsamen Pizzabelegen nicht mehr die alte. Dennoch sind das alles für uns keine Gründe, die komplette Fete  "outzusourcen", also auswärts zu feiern - fernab des Ortes, wo die Mäuse zu Hause sind.





Auch engagieren wir weder Clowns noch Zauberer, um die Meute bei Laune zu halten. Drei bis fünf gut vorbereitete, actionreiche Spiele, ein bisschen Zeit fürs freie Spiel im Garten oder den Kinderzimmern, für Kuchenrunde und das gemeinsame Abendbrot: Fertig ist das völlig unprätentiöse Programm, das bisher auch ohne viel Schnickschnack die Kinderschar zum Lachen beziehungsweise Staunen gebracht hat. Wenn wir Kindergeburtstage organisieren, wollen wir nämlich vor allem eins: Die Augen unserer Mäuse sowie die ihrer Freunde zum Leuchten bringen - und nicht deren Eltern beeindrucken. 

Macht's Euch vor allem Euren Kindern schön!
Herzliche Grüße,
Sarah





Samstag, 15. Juli 2017

Empathie (oder wie das heißt): Die Kunst, echte Herzchen zu verteilen

"Mama, ich habe grad drei Wespen, einer Assel und zwei Ohrenkneifern das Leben gerettet", verkündet die Zaubermaus, während sie mit klitschnassem T-Shirt und einem Kescher in der Hand zu mir auf die Terrasse kommt. Seit eineinhalb Stunden hat sie versucht, möglichst viele zappelnde Insekten aus unserem Planschbecken zu fischen. "Nur die Hummel, die hat sich schon nicht mehr bewegt. Die ist ertrunken", sagt meine kleine Große, schiebt die Unterlippe vor und bricht auf meinem Schoß in Tränen aus. Und ich bin (mal wieder) kurz davor, gleich mit zu heulen. Weil die Hummel keine Chance mehr hatte und vermutlich eine ganze Hummelfamilie hinterlässt, weil das Leben endlich ist - und weil ich traurig bin, wenn die Mäuse ernsthaft traurig sind (gilt nicht bei Krokodilstränen).




"Ähmpatie" - so nennt man das. Dass dieses Wort falsch geschrieben ist, fällt vermutlich all jenen gar nicht weiter auf, für die Empathie sowieso immer ein Fremdwort bleiben wird. Für die, die es bisher nicht wussten und nun googeln müssten, fasse ich an dieser Stelle kurz den Wikipedia-Eintrag zusammen: Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, die Empfindungen, Gedanken, Emotionen sowie unter anderem Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen zu erkennen und zu verstehen. Dazu gehöre auch, auf die Gefühle anderer angemessen zu reagieren: sich mitzufreuen, mitzuleiden, mitzutrauern - mitzufühlen.




Das klappt bei vielen Erwachsenen schon ganz gut, wenn sie auf Facebook Videos mitleidig mit einem weinenden Smiley kommentieren, in denen sich ein Hund irgendwo in Philadelphia oder so die Pfote klemmt. Oder wenn wir - ja, auch ich - auf Instagram Herzchen für besonders schöne Outfits verteilen, weil wir uns mit den glücklichen Käufern in Saint-Tropez oder zum Beispiel Beverly Hills freuen. Das mit der Empathie funktioniert im persönlichen Kontakt mit Menschen vor der eigenen Haustür (manchmal auch dahinter) hingegen nicht immer - vor allem (obwohl das doch eigentlich selbstverständlich sein sollte) im Umgang mit Kindern.





Es gibt Kinder, die etwas zurückhaltender sind, es gibt Kinder, die voll draufzugehen. Die einen fühlen sich allein mitunter noch etwas schwach, andere fühlen sich allein schon stark - und wieder andere können nur in ihrer Gruppe stark sein. Sie alle sind schon im Kindergarten kleine Persönlichkeiten, in die wir uns mit der notwendigen Sensibilität hineinversetzen müssen, um sie zu verstehen. Dafür sollten wir uns Zeit nehmen, sie in ihrer Entwicklung beobachten, ihnen in Ruhe zuhören und bei Bedarf helfen.
Wenn wir hören, dass grad mal vier-, fünf-, und sechsjährige Knirpse von Gleichaltrigen heftig gehauen, geschubst, getreten, gewürgt oder gebissen wurden, könnten wir

a) die Betroffenen (Achtung: damit sind die gemeint, denen wehgetan wurde) trösten, in den Arm nehmen, mit ihnen etwas Schönes unternehmen,
b) die, die anderen wehgetan haben, trösten, in den Arm nehmen, mit ihnen etwas Schönes unternehmen,
c) sämtliche Vorfälle schulterzuckend ignorieren, in der Hoffnung, dass ganz schnell Gras darüber wächst und nicht noch mehr Kinder bzw. irgendwann die eigenen betroffen sein werden,
d) den Spieß umdrehen und die Schuld bei anderen suchen.

 


Man mag nicht glauben, wie viele Erwachsene selbst bei den simpelsten Einstiegsfragen - trotz Publikumsjoker - noch daneben liegen. Wikipedia liefert auch die logische Erklärung, warum die Frage, aus unserer Sicht, häufig falsch beantwortet wird: "Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung. Je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch die Gefühle anderer deuten." Na, bitte.
»In keiner Weise dürfen wir uns dazu bewegen lassen, die Stimme der Menschlichkeit in uns zum Schweigen bringen zu wollen. Das Mitfühlen mit allen Geschöpfen ist es, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht.«                                                                                                                                           (Albert Schweitzer)
Öffnet Eure Herzen. Nehmt Euch mehr zu Herzen. Verteilt mehr Herzen: vor allem an die wirklich wichtigen Geschöpfe um Euch herum.

Heute mal besonders herzliche Grüße,
Sarah