Samstag, 23. Januar 2021

Glücksmomente 04-2021: Selbstfürsorge, selbst gebackener Käse und selbst lackierte Fliesen

Frische Tulpen, ein Käsekuchen, der ausnahmsweise mal gelungen ist, ein selbst genähtes Kleid, das wie angegossen passt, und zwei Mäuse, die sich vor Lachen auf dem Wohnzimmerboden herumkugeln: Es gibt im Alltag so viele Momente des Glücks, in denen das Herz vor Freude schneller hüpft. Je mehr Raum wir den schönen Augenblicken in Herz und Kopf schenken, desto weniger Platz haben die unschönen. Daher achte ich inzwischen bewusst auf die kleinen Freuden des Alltags - von denen es mehr gibt, als man vielleicht glauben mag. Drei bis fünf meiner Glücksmomente, die ich im Laufe einer Woche gesammelt habe, findet Ihr regelmäßig in dieser Rubrik:


Selbstfürsorge-Glück


"Drei bis fünf meiner Glücksmomente" will ich pro Woche auf meinem Blog vorstellen. In den vergangenen sieben Tagen war dieses Ziel eine ganz schöne Herausforderung für mich. Mit den Glücksmomenten ist das nämlich so eine Sache, sie fliegen einem nicht immer zu. Es gibt Wochen, die so voll sind mit kleinen und großen Augenblicken, die mir ein Schmunzeln mitten ins Herz zaubern, dass ich mich nur schwer entscheiden kann, welche die schönsten von ihnen waren. Dann jedoch gibt es Phasen, in denen ich ganz schön intensiv nach ihnen suchen, mitunter sogar selbst etwas dafür tun muss, um wenigstens einen von ihnen zu erwischen. Das ist in etwa so wie bei Sternschnuppen, vierblättrigen Kleeblättern,  dem goldenen Schnatz bei Harry Potter oder den letzten Boots im Online-Sale, die zufällig genau in der eigenen Größe verfügbar sind. Es gibt keine Garantie, keine festen Zeitpunkte für Glücksmomente. Es sei denn, wir machen sie uns im DIY-Verfahren selbst.




In dieser Woche musste ich mich aufgrund diverser Umstände mächtig ins Zeug legen, um nicht nur andere, sondern vor allem mich selbst glücklich zu machen. Es gab da nämlich so manche Hiobsbotschaft und unter anderem diesen Berg voller Schulhefte auf unserem Esstisch, aus dem ich mich gemeinsam mit den Mäusen Aufgabe für Aufgabe hervorwühlen musste. Und überhaupt war da ja noch immer dieses Virus...




Weil sich in der ersten Wochenhälfte so gar kein Glücksmoment abzeichnen wollte, außer, dass wir vier zum Glück noch immer gesund sind, und die Mäuse all das, was ich ihnen als Aushilfslehrerin erkläre, glücklicherweise auf Anhieb verstehen, packte ich in der zweiten Wochenhälfte tief in meine 

Selfcare-Kiste:

(deren Inhalt ich gern mit Euch teilen möchte: zum Krafttanken, Energiegewinnen, Stärkeschöpfen - für zwischendurch und für zuhause. Jede kleine Selbstfürsorge-Einheit dauert maximal 30 Minuten. Füllt sie einfach mit allem, was Euch persönlich guttut. Das kann zum Beispiel auch ein frischer Döner oder Musik von Helene Fischer sein. Macht, was Euch wirklich gefällt.)  

  • Ich legte mich in die Badewanne (bei kindersicher geschlossener Badezimmertür) und geschlossenen Augen,
  • hörte das neue Ina-Müller-Album "55" ganz laut in Endlosschleife, 
  • lackierte meine Fingernägel in meiner aktuellen Lieblingsfarbe Pflaume,
  • las mein Joanna-Gaines-Buch Homebody, das mein Mann mir zum Jahrestag geschenkt hat,
  • kaufte mir frische, rosafarbene Tulpen, 
  • bereitete mir meine derzeitige Lieblingsspeise Hirtenkäse mit Tomaten und Basilikum im Ofen zu (das Rezept findet Ihr weiter unten), 
  • loggte mich zum Online-Yoga ein 
  • und drückte meinen Mann und die Mäuse bei jeder Gelegenheit so fest an mich, dass sie irgendwann lautstark gegen meine Free-Hugs-Kampagne demonstrierten. 

Und da waren sie wieder, meine Glücksmomente. Einer nach dem anderen. In der kommenden Woche dürfen sie jedoch nicht so lange auf sich warten lassen, sonst mache ich ihnen mit meiner Selbstfürsorge-Duftkerze Feuer unter dem Allerwertesten.   





Ofen-Hirtenkäse mit Tomaten


Zutaten:

(für eine Mama)
  • 250 Gramm Hirtenkäse oder Feta
  • ein gutes Dutzend Cocktailtomaten
  • eine Handvoll Basilikum
  • ein Schuss (ein Esslöffel) Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:


Zunächst heizt Ihr den Ofen auf 180 Grad (Umluft) vor. Nun lasst Ihr den Hirtenkäse (wahlweise auch Feta) abtropfen und legt ihn in eine kleine Auflaufform. Dann halbiert Ihr die Cocktailtomaten und gebt sie ebenfalls in die Auflaufform. Jetzt verteilt Ihr einen Schuss Olivenöl über den Käse und die Tomaten. Ich würze die Tomaten immer noch mit etwas Salz und Pfeffer. Nun schiebe ich die Auflaufform für etwa zehn bis 15 Minuten in den Ofen, bis der Hirtenkäse leicht gebräunt ist. Kurz bevor ich den Käse aus dem Ofen hole, streue ich die kleingezupften Basilikumblätter darüber. Fertig. So schnell, so leicht, so lecker.  

Fliesen-Glück


Wenn ich neue DIY-Projekte für meinen Mann plane, ordne ich sie zum besseren Verständnis und zur besseren Verträglichkeit (zwischen uns) bereits im Vorfeld in vier Kategorien ein. Da gibt es: 

1. das miniklitzekleine Projekt (Dauer: maximal 30 Minuten) - dazu gehören das Anbringen von einfachen Regalen, das Streichen von Kleinmöbeln, der Aufbau von Schränken mit Anleitung und zum Beispiel das Einpflanzen von Gartengewächsen jeglicher Art.   
2. das klitzekleine Projekt (Dauer: maximal vier Stunden) - darunter fallen der Aufbau von mehrteiligen Kleiderschränken samt Schiebetür vom Möbelschweden trotz Anleitung, der Bau eines Hochbeets aus Paletten, das Erneuern unseres Balkonbelags sowie das Streichen von Wänden und unter anderem Terrassendielen.    
3. das ein klitzekleines bisschen größere Projekt (Dauer: mehrere Nachmittage) - hierzu zählen der Bau von Spiel- beziehungsweise Gartenhäusern, das Streichen unserer Einfahrt oder unserer Treppe vom Keller bis zum Dach und beispielsweise das Verlegen von Terrassendielen.
4. das ein bisschen größere Projekt (Dauer: mehrere Wochen) -  Abriss und Neubau unserer Terrassenmauer sowie unter anderem das Verkleiden unseres Treppengeländers inklusive Konstruktion eines Wäscheschachts.  




Nach 17 Jahren Beziehung, darunter elf Jahre als Ehepaar, und dem Kauf unseres Hauses vor zehn Jahren sind wir inzwischen ein dermaßen eingespieltes Team, dass mein Mann sofort weiß, was zeitlich und finanziell auf uns (ihn) zukommt, wenn ich im ganz behutsamen Ton von "miniklitzekleinen Projekten" rede. Denn die sind - im Vergleich zu den  "ein bisschen größeren Projekten" total harmlos. Fast alle DIYs der letzten Kategorie haben wir in den vergangenen Jahren zum Glück bereits erfolgreich hinter uns gebracht. 


Auf die Grundierung folgte der erste Anstrich


Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist die komplette Renovierung unseres 34 Jahre alten Familienbadezimmers. Vor diesem "ein bisschen größeren" Projekt haben wir nämlich seit unserem Einzug so viel Respekt, dass wir es noch immer vor uns herschieben. Im ersten Schritt müsste nämlich unsere unattraktive Heizungstherme, die wir geschickt in einem Schrank versteckt haben, von unserem Heizungsfachmann auf den Dachboden verbannt werden. Dann müssten wir - erneut mithilfe von Sanitärfachleuten - eine neue Badewanne, eine neue Toilette und ein neues Waschbecken samt Leitungen anderweitig verlegen. Und schließlich müsste mein Mann Wand und Boden neu fliesen.  


Zweite Schicht Fliesenlack


Weil wir so ungern auf fremde Hilfe angewiesen sind und uns vor den Kosten fürchten sowie dem zeitlichen Aufwand, dem Dreck und unter anderem dem Umstand, mehrere Wochen keine Dusche benutzen zu können, sieht unser Bad - bis auf den selbstgebauten Waschtisch - im Grunde noch so aus wie beim Hauskauf. Da wir uns an den weißen, empfindlichen Bodenfliesen inzwischen jedoch sooo satt gesehen haben, hat mein Mann in dieser Woche ein "klitzekleines Projekt" umgesetzt: 


Seidenmatte Versiegelung


Er entfernte das Silikon aus den Randfugen, trug eine spezielle weiße Grundierung mit einer Rolle auf, strich die alten Bodenfliesen in zwei Durchgängen mit anthrazitfarbenem Fliesenlack und abschließend mit einer seidenmatten Versiegelung. Dafür räumten wir einmal sämtliche Schränke aus dem Bad und anschließend wieder rein. Die "klitzekleine Veränderung", in die mein Mann etwa vier Stunden investiert hat, erfreut uns grad sehr. Da kann unser "ein bisschen größeres Projekt" gern noch ein Weilchen warten.        




Doppeltes-Regal-Glück


Ich habe mich in dieser Woche in ein total schönes Regal verguckt. Und das ausnahmsweise nicht bei einem ausgiebigen Sightseeing-Trip durch heimische Möbelgeschäfte - denn das ist derzeit gar nicht möglich. Auch nicht bei einer ausgedehnten Internet-Tour durch den weltweiten Online-Handel  - denn das war gar nicht nötig. Ich habe das stylische, schwarze Metall-Regal in meinem neuen Shopping-Paradies gefunden: in einem unserer heimischen Lebensmittelmärkte. 




Zwischen Kühltheke und Zeitschriftensortiment, schräg gegenüber von den Hygieneartikeln und drei Regalreihen vor den Fertigsaucen fiel es mir sofort ins Auge. In kleiner Auswahl gibt es hier nämlich auch Boho-Tischdecken und gestreifte Vasen, Beton-Windlichter sowie weitere Deko-Objekte, die ich - zugegebenermaßen - zuvor nur selten beachtet habe, weil ich mich stets ausschließlich auf meine doppelseitige DIN-A4-Einkaufsliste voller Lebensmittel konzentrierte. 




Doch seit Kurzem hat sich unser Einkaufsmarkt aufgrund mangelnder Alternativen vor Ort für mich zum Deko-El-Dorado gemausert, in dem ich jetzt meinen bisher spektakulärsten Fund machte. Und das gleich doppelt. Weil mir das Regal so gut gefiel, nahm ich es direkt zweimal mit: einmal für die Küche und einmal für unser Badezimmer als Duschablage. Glücklich packte ich meine neue Interior-Errungenschaft  in den Einkaufswagen - zwischen Frühlingszwiebeln, Feuchttücher und Frischkäse.
    

Achtet gut auf Euch selbst!
Herzliche Grüße,
Sarah


*Dieser Beitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung für ein Buch, ein Album und ein Regal.




Sonntag, 17. Januar 2021

Glücksmomente 03-2021: Frühblüher in der Ziegelform und Spätzünder im Vogelhaus

Frische Tulpen, ein Käsekuchen, der ausnahmsweise mal gelungen ist, ein selbst genähtes Kleid, das wie angegossen passt, und zwei Mäuse, die sich vor Lachen auf dem Wohnzimmerboden herumkugeln: Es gibt im Alltag so viele Momente des Glücks, in denen das Herz vor Freude schneller hüpft. Je mehr Raum wir den schönen Augenblicken in Herz und Kopf schenken, desto weniger Platz haben die unschönen. Daher achte ich inzwischen bewusst auf die kleinen Freuden des Alltags - von denen es mehr gibt, als man vielleicht glauben mag. Drei bis fünf meiner Glücksmomente, die ich im Laufe einer Woche gesammelt habe, findet Ihr regelmäßig in dieser Rubrik:


Ziegelform-Glück


Es ist ein Leichtes, sich einen ganzen Online-Warenkorb voll mit Kerzenleuchtern, Tischsets sowie Vasen zu packen, per Mausklick zur Kasse zu gehen, bargeldlos mit dem Smartphone zu bezahlen, die Deko-Objekte kontaktlos vor die Haustür geliefert zu bekommen, auszupacken und sich ins Wohnzimmer zu stellen. Schnell und unkompliziert lassen sich auf diese Weise ganze Vitrinen, Fensterbänke sowie unter anderem Küchenschränke mit "Stehrümchen" füllen. Und das - je nach Saison beziehungsweise Wohn-Trend - gleich mehrmals pro Jahr: Auf Shabby Chic folgt Boho, dazwischen wird's Industrial, bevor das komplette Haus im Farmhouse-Stil dekoriert wird. Nach dem Motto "Stehrümchen, wechsel dich" verlässt so manche Schale schneller das Haus als sie zugestellt wurde. 



Ich habe unverzüglich damit aufgehört, jedem Trend zu folgen, als ich mein erstes Buch Wohnen ist ein Gefühl von Martina Goernemann las. Die Bloggerin ("Raumseele"), Journalistin und Autorin empfiehlt charmant und eindringlich, sich zu Hause ausschließlich mit Dingen zu umgeben, die einem Freude bereiten, weil man mit ihnen zum Beispiel eine besondere Erinnerung verbindet. Alles andere kann weg. Ich bin damals nach und nach durch jedes Zimmer gegangen und habe sämtliche Deko-Objekte in eine Kiste gepackt, die zwar hübsch aussahen, mir jedoch nichts weiter bedeuteten.


Stehrümchen


Seitdem achte ich darauf, dass mir in der Regel nur noch Deko und Möbel ins Haus kommen, die entweder nützlich sind, oder mit denen ich etwas Schönes verbinde. Am besten beides - und diese Kombi  finde ich meistens auf Reisen: Verschnörkelte Emaille-Tassen aus Belgien, aus denen wir - nicht nur im Wohnwagen - am liebsten unseren Kaffee trinken, einen Stuhl vom Flohmarkt in Dänemark, auf dem ich täglich bei den Hausaufgaben der Mäuse im Esszimmer sitze, und zum Beispiel einen Korb aus Frankreich, der mich regelmäßig zum Wochenmarkt begleitet.



Aus Holland stammt meine Ziegelform, die ich mir lange zuvor gewünscht hatte und in dem kleinen zeeländischen Ort Sluis entdeckte. In der Vorweihnachtszeit hatte ich sie bereits mit vier Adventskerzen bestückt. In dieser Woche habe ich die Form umgestaltet: In drei alte Müsli-Schüsseln der Mäuse, die genau in die Form passen, habe ich jeweils eine Hyazinthenzwiebel gesetzt. 





Häufig befinden sich beim Kauf gleich drei Zwiebeln in einem Töpfchen. Ich habe die Zwiebeln samt Wurzeln vorsichtig auseinander gezogen und dann einzeln mit der restlichen Blumenerde in die Schälchen gestellt. Dazwischen habe ich zwei kleine Vasen platziert, in die ich weiße Kerzen gesteckt habe. Sollten die Kerzen zu schmal für die Halter sein, umwickele ich sie zum Beispiel mit Juteband. 




Mit Moos, einer Lichterkette und ein paar Holz-Sternen habe ich meine Ziegelform für die kommenden Winter-Frühlingswochen bestens vorbereitet. Und für Sommer, Herbst sowie Weihnachten habe ich auch schon ein paar Ideen - so schnell wird meine geliebte Ziegelform unser Haus nämlich nicht mehr verlassen.        



Ziegelform im Herbst



Ziegelform im Advent


DIY-Vogelhaus-Glück

 


Mit Vogelhäusern ist es wie mit allen anderen Immobilien: Man kann die nobelste Villa bauen im angesagten skandinavischen Stil, mit weißer Holzfassade, schwarzem Dach sowie sechs hübschen Bullaugen-Fenstern, mit LED-Beleuchtung und einem eigenen Landeplatz direkt vor der Tür - wenn  es den Interessenten nicht gefällt und diese ein einfaches, windschiefes Objekt in der Nachbarschaft vorziehen, bleibt das Haus leer. 





So geschehen in unserem Viertel, genauer: auf unserem Grundstück. Denn dort steht seit ein paar Wochen das allerschönste Vogelhaus, was ich jemals gesehen habe. Mein Mann hat es mit dem Mäuserich vor Weihnachten als Überraschung für uns Mädels selbst gebaut. Als Vorlage diente den beiden eine unverschämt teure Luxus-Vogelvilla im Gartencenter, die sie nach Augenmaß aus alten Holzresten nachbauten. 


Stolz präsentierten uns die Zwei ihr Vogelhaus mit diversen Spezialeffekten: Es wird zum Beispiel durch den Schornstein mit Futter befüllt, das portionsweise nach unten rutscht. Zudem lassen sich an einem kleinen Haken die Futterknödel befestigen. Der Clou ist jedoch die hauseigene Solar-Beleuchtung, damit selbst das nachtblindeste Vögelchen auch bei Dunkelheit mal ein Korn findet. 






Wir stellten das Vogelhaus direkt vor unsere Fensterfront im Wohnzimmer - und dann passierte wochenlang nichts. Die vielen Vögel, die täglich in unserem Garten zwitschern, versammelten sich in den Büschen neben dem Haus, doch hinein traute sich keiner von ihnen. Ich ließ mich bezüglich des Futters beraten, wechselte die Sorte, knackte eigenhändig Erdnüsse, doch auch das lockte nicht einen Piepmatz an. 


Mein Mann starrte fassungslos aus dem Fenster. Hinter dem sich plötzlich etwas bewegte - allerdings nicht zur Freude meines Mannes: Unsere Nachbarn setzten ein Vogelhaus mitten in ihren Vorgarten - grad mal zwölf Meter Luftlinie von unserer Vogelvilla entfernt. "Ohne Wasserwaage", nörgelte mein Mann, der sich sicher war, dass nicht ein einziger Vogel in dieses "total schiefe", "ohne Liebe gekaufte", "k...braune" Häuschen auch nur eine Kralle setzen würde. Er sollte sich irren. Ein Remake des Hitchcock-Films "Die Vögel" hätte in den darauffolgenden Wochen in Nachbars Garten gedreht werden können, so viel Federvieh flatterte dort munter herum. Bei uns gegenüber: Leere. Stille. Ruhe. Bis auf die Ader am Hals meines Mannes, die pochte (ich berichtete beim letzten Mal von ihr).






Mein Sohn hatte schließlich die rettende Idee: Er schnappte sich das Vogelfutter und verteilte die Körner auf dem Dach sowie in verschiedenen Schüsseln rund um unser Vogelhaus. Seine Werbeaktion, mit der er wenigstens ein paar Vögel weg von der Konkurrenz zu uns locken wollte, zeigte in dieser Woche nun endlich den langersehnten Erfolg: Amseln, Blaumeisen und Finken fliegen seit Tagen auch in unserem Vogelhaus ein und aus. Das beobachten und dokumentieren wir vier Hobby-Ornithologen im Lockdown ganz akribischSollte unsere Futterstation einmal leer sein, geht's im Direktflug rüber zum Nachbarn. Egal ob bescheiden oder pompös: Mit unserer Luftbrücke zwischen den beiden Vogelhäusern tragen wir dazu bei, dass unsere gefiederten Freunde gleich doppelt satt und zufrieden durch den Winter kommen. Und das ist doch die Hauptsache.      



    

   

Restaurant-Glück


Psssst, nicht weitersagen: Obwohl in ganz Deutschland seit Wochen offiziell kein einziges Restaurant geöffnet ist, waren mein Mann und ich am Montag endlich mal wieder essen. Wir haben tatsächlich ein schnuckeliges Lokal gefunden, in dem wir uns heimlich bei Kerzenschein auserlesene Speisen und Getränke schmecken ließen. 

Wir waren an jenem Abend die einzigen Gäste in dem kleinen 15-Sterne-Restaurant, sodass sich die zwei Kellner ausschließlich um uns bemühten. Die beiden Servicekräfte kicherten zwar die ganze Zeit und diskutierten so lautstark, wer nun die Bestellung in seinem Minions-Kritzelblock aufnehmen durfte, dass wir Gäste unser eigenes Wort nicht mehr verstanden, dennoch wurden wir hervorragend bedient. 




Laut selbstgebastelter Kratzblock-Menükarte standen folgende Speisen zur Auswahl: 


Vorspeise: „Tomatensuppe“ (fünf Cocktailtomaten, die in einem Wasserbecher schwammen); Hauptspeise: „Abendüberraschung“ (zwei Scheiben Toast mit Käse), wahlweise auch "Lachs" (der noch vom Mittagessen übrig war), und Joghurt aus dem Becher zum Dessert. Wir hätten auch Eis am Stiel haben können, doch da war nur noch eins im Gefrierfach.  Dazu wurde uns „Sprudelwasser“ empfohlen.





Als der kleinere der beiden Kellner herzhaft selbst in das Käsesandwich biss, das ich bestellt hatte, und die größere, die mich eh permanent distanzlos duzte, versehentlich mit „Mama“ ansprach, wurde es mir dann doch etwas zu familiär. 


Wir beschlossen, die 4578 Euro und 164 Cent zu zahlen, die uns Herr und Frau Ober in Rechnung stellten. Anschließend verließen wir zufrieden das Restaurant, in dem wir definitiv nicht zum letzten Mal zu Gast waren, nahmen unsere Teller für die Spülmaschine mit und gingen eine Etage tiefer ins Wohnzimmer.





Einen ganzen Nachmittag lang hatten die Mäuse ihre geheimgehaltene geheime Geheimaktion für uns vorbereitet. Im Zimmer des Mäuserichs funktionierten sie den Schreibtisch zum Restauranttisch um, den sie fein säuberlich eindeckten. Mit Blumen und sämtlicher Leuchtdeko, die sie finden konnten, sorgten sie für ein gemütliches Ambiente. Selbst an eine Klingel aus ihrem Gesellschaftsspiel hatten sie gedacht. 





An Tag eins der Woche, vor der mir bereits lange zuvor gegraut hatte, weil wir erneut Arbeit, Alltag und doppeltes Homeschooling irgendwie unter einen Hut bringen müssen, haben uns die zwei Mäuse wieder einmal vor Augen geführt, dass wir uns jede noch so vermaledeite Situation möglichst schmackhaft machen sollten: Man nehme einen Teelöffel Fantasie, eine Messerspitze Kreativität und eine Prise Humor...ach, irgendwie wird das schon. Und zur Not gibt's ja immer noch den Pizza-Service.



Macht es Euch schön, schöner, am schönsten!

Herzliche Grüße,

Sarah 



*Dieser Beitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung für einen Blog sowie ein Buch.

Samstag, 9. Januar 2021

Glücksmomente 02-2021: Schwarz wie Treppenholz, weiß wie Schnee und rot wie mein Kopf

Frische Tulpen, ein Käsekuchen, der ausnahmsweise mal gelungen ist, ein selbst genähtes Kleid, das wie angegossen passt, und zwei Mäuse, die sich vor Lachen auf dem Wohnzimmerboden herumkugeln: Es gibt im Alltag so viele Momente des Glücks, in denen das Herz vor Freude schneller hüpft. Je mehr Raum wir den schönen Augenblicken in Herz und Kopf schenken, desto weniger Platz haben die unschönen. Daher achte ich inzwischen bewusst auf die kleinen Freuden des Alltags - von denen es mehr gibt, als man vielleicht glauben mag. Drei bis fünf meiner Glücksmomente, die ich im Laufe einer Woche gesammelt habe, findet Ihr regelmäßig in dieser Rubrik:


Treppen-Glück


Die Natur hat meinen Mann mit einem Alarmsignal ausgestattet, an dem ich erkenne, wann Schluss ist. Er hat da diese Ader rechts am Hals, die immer dann strohhalmdick anschwillt, wenn er sich anstrengt oder ich ihn geärgert habe. Keine Sorge, es ist nicht die Halsschlagader. Er selbst wird dann immer ganz leise, aber seine Ader, die pocht auf 180. Dieses Merkmal scheint genetisch so relevant zu sein, dass mein Mann es unserem Sohn vererbt hat. Wenn beide Adern um die Wette pulsieren, suchen wir Mädels stets das Weite.




Die Ader meines sonst so ruhigen, ausgeglichenen, liebevollen Mannes habe ich in den vergangenen Jahren relativ häufig beobachtet, als er gegen unser Treppenhaus mit aller Kraft kämpfte: sein größter Gegner nach der dreireihig gepflanzten Berberitzenhecke, die er tagelang blutüberströmt ausbuddelte, und das alte Betonfundament unserer Terrasse, das er wochenlang schweißüberströmt ausgrub. Jedes Mal war die Ader außer sich. 





Die verschiedenen Schritte, in denen er unser vormals offenes Treppenhaus aus den 1980er-Jahren in ein geschlossenes umwandelte, zogen sich über vier Jahre. Mein Mann hat nicht nur das ehemals schwarze Eisengeländer ummantelt und uns einen Wäscheschacht vom Obergeschoss bis in den Keller selbst konstruiert. Er hat unter anderem auch die meterhohen Wände eigenhändig in einer waghalsigen Kletteraktion tapeziert und gestrichen. Unser DIY für Fortgeschrittene habe ich ja bereits auf diesem Blog ausführlich vorgestellt



Frisch abgeschabt: Hier ist der Mahagoni-Glanz bereits verschwunden. 


Die Treppe selbst bekam vor ein paar Jahren zunächst weiße Setzstufen und Einbauspots von ihm, bevor mein Mann jetzt jede einzelne Trittstufe mit der Hand abschliff. Eine Maschine hätte noch mehr Staub aufgewirbelt, daher entschied er sich für einen speziellen Schaber. 





Den (vorerst) letzten Abschnitt der Renovierung hat mein Mann in dieser Woche vollendet: Alle 26 Trittstufen vom obersten Flur bis in den Keller hinein sind nun schwarz gestrichen. Der vorherige rötliche Mahagoni-Ton war zwar auch recht hübsch, passte jedoch weder zu unserem Pinienboden noch zur Einrichtung. Weiß war uns zu empfindlich, also entschieden wir uns nach einigen misslungenen Honigton-Versuchen für Schwarz. Und das gefällt uns sehr, sehr gut. 





Nachdem mein Mann seinen Treppenhaus-Gegner nun endgültig besiegt hat, ist auch von seiner Ader nichts mehr zu sehen. Dass mir inzwischen noch eine „Kleinigkeit“ eingefallen ist, mit der unser Treppenhaus noch perfekter als perfekt wäre, verrate ich ihm vorerst lieber noch nicht. Mein Mann arbeitet nämlich seit dieser Woche wieder - und da muss er seinen Hemdkragen schließen können.



Lauf-Glück


Ohne sich der Tragweite ihrer Worte bewusst zu sein, hat mich in dieser Woche eine Seniorin glücklich gemacht, die mir laut Fitness-Tracker in Minute 14.41 bei Kilometer 2.02 und einer anaeroben Herzfrequenz von 166 begegnete. Sie verlangsamte ihren eh schon gemächlichen Schritt, damit ich überhaupt eine Chance hatte, sie in meinem Schneckentempo mit hochrotem Kopf zu überholen, hielt ihren Hund am Halsband und sagte: „Sie können ruhig schnell weiterlaufen, Chanel hat kein Problem mit Joggern.“ Der empörende Gedanke, dass ich ja bereits schnell weiterlief, ja, für meine Verhältnisse sogar rannte, auch wenn es vielleicht von außen nicht so aussah, rückte vollkommen in den Hintergrund. Die Dame hatte „Jogger“ gesagt und mich damit gemeint. Mich. Das hat sie vermutlich an den Schuhen erkannt.  





Seit November bin ich nicht mehr nur eine Yogi. Ich bin jetzt auch eine Joggi. Das klingt für mich genauso neu und seltsam wie „Bis gleich, Spatz, ich geh dann mal laufen“, was ich mittlerweile dreimal die Woche rufe, während ich jedes Mal selbst fassungslos den Kopf darüber schüttele.  


Ich war in meinem Leben schon D-Jugend-Handballerin, Schulsport-Schwänzerin, langjährige Sponsorin diverser Fitnessstudios, Crosstrainer-Besitzerin und Pamela-Reif-Followerin. Heute, in dieser paradoxen Welt, in der wir alles sein können: Batman, Präsident der Vereinigten Staaten, DSDS-Juror und zum Beispiel Einhörner, bin ich plötzlich eine Läuferin. Wartet, kurze Pause, ich muss grad so lachen darüber.


Ganz so leicht war mein Einstieg jedoch nicht. Ich musste zunächst meinen inneren Schweinehund besiegen - ein besonders aggressives, unwilliges Exemplar dieser Rasse, das seit Jahrzehnten meinen Bewegungsdrang beherrscht. Aber ich möchte gern steinalt werden und möglichst lang gesund bleiben, also habe ich meinem Schweinehund ein halbes Jahr vor meinem 40. Geburtstag einen Maulkorb verpasst.

 




Weil ich weiß, wie schwer es ist, sich zum Laufen aufzuraffen, wo doch die gemütliche Couch, das warme Kaminfeuer, das kuschelige Bett oder mitunter sogar die Steuererklärung als unwiderstehliche Alternativen locken, habe ich hier fünf Tipps für Euch:


  • 1. Sucht Euch für den Anfang ein möglichst diszipliniertes Laufdate, mit dem Ihr Euch fest zunächst einmal pro Woche verabredet. Versprochen ist versprochen: Eine gewisse Verbindlichkeit sorgt dafür, dass Ihr schön dranbleibt und nicht beim kleinsten Regenschauer zurück ins Bett kriecht und die Decke bis zum Kinn zieht. Ich startete zunächst mit zwei Freundinnen. Positiver Nebeneffekt: Vor lauter Schnuddeln und Lachen merkten wir gar nicht, dass wir kilometerweit liefen.

  • 2. Fangt ganz langsam an, auch wenn Ihr meint, Ihr könntet wie Usain Bolt direkt lossprinten. Die Mädels und ich sind in einem Tempo gelaufen, in dem wir uns, ohne zu schnaufen, unterhalten konnten. Als ich aufgrund der Corona-Verordnung allein loszog, steigerte ich allmählich mein Tempo, weil ich niemanden mehr zum Schnuddeln hatte und stattdessen hemmungslos hecheln beziehungsweise fluchen konnte.  Ich ging eine Minute, lief eine Minute, ging eine Minute, lief eine Minute - das Ganze stets im Wechsel, zunächst insgesamt 30 Minuten lang. Beim nächsten Versuch waren es zwei Minuten Laufen, eine Minute Gehen. Dann drei Minuten Laufen, eine Minute Gehen und so fort.




  • 3. Steckt Euch kleine, erreichbare Ziele, die Ihr bei Bedarf anpassen könnt. Bei mir ist es eine Brücke, bei der ich spätestens in Minute 15 angekommen sein will, bevor ich den Rückweg antrete, und ein Berg, den ich am Ende meiner Runde am Stück bis nach oben laufe. Zunächst bin ich eigens einen Umweg gelaufen, dann habe ich mich in Trippelschritten bis nach oben gekämpft. Auch habe ich mir fest vorgenommen, einmal am Wochenende und zweimal unter der Woche zu laufen. Nicht mehr, nicht weniger. Ich habe übrigens bewusst auf feste Tage und Zeiten verzichtet, weil sich unser Familienprogramm Woche für Woche ändert.



  • 4. Verzichtet zu Beginn auf teure Laufkleidung: Eigens angepasste Ultra-leicht-slim-easy-Laufschuhe, Hightech-Höschen mit Wasserabperleffekt und Mützen mit integriertem Bluetooth-Lautsprecher mögen auf den einen oder anderen vielleicht motivierend wirken - mich hätte ein professionelles Equipment anfangs nur unter Druck gesetzt. Ich wollte locker beginnen, stets mit der Option, jederzeit ohne Verluste wieder aufhören zu können. Ich trug meine Yoga-Hose, meine Camping-Funktionsjacke und mein Smartphone in der Hand, als ich zum ersten Mal startete. Inzwischen bin ich etwas professioneller ausgestattet: Ich habe mir nach und nach Funktionsunterwäsche beim Discounter besorgt, eine Laufjacke mit Kapuze, bequeme Turnschuhe, eine Smartwatch, die mich von Kopf bis Fuß kontrolliert, protokolliert sowie im Notfall den Rettungsdienst alarmiert und unter anderem kabellose Kopfhörer für megalauten HipHop. Meine Yogahose trage ich immer noch. Das weiß aber nur ich.




  • 5. Und damit wären wir bei meiner letzten Empfehlung: Das Sprichwort "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung" gilt auch fürs Laufen. Mit Stirnband, Schal und Sporthandschuhen ausgerüstet, bin ich selbst bei Schnee und Regen unterwegs. So hat mein innerer Schweinehund keine Chance, mich von meiner neuen "Leidenschaft" (nun gut, das ist übertrieben) abzuhalten, auch wenn er vor jeder Runde die Zähne fletscht und sich demonstrativ auf die Couch wirft.  

Schnee-Glück


Kein Kino, kein Schwimmbad, kein Museum, kein Theater, keine Kletterhalle, keine Eissporthalle, keine Kartbahn, kein Bowlingcenter, kein Eiscafé, keine Besuche von Freunden und Verwandten - all das, was wir sonst in den Weihnachtsferien mit den Mäusen unternommen und sehr genossen haben, ist dieses Mal ausgefallen. Doch dann zeigte irgendwer dort oben ein bisschen Mitgefühl - so glaube ich zumindest - und schickte auch uns in Nordhessen Schnee, was hierzulande keine Selbstverständlichkeit ist. 




Plötzlich lagen kurzzeitig ein paar zarte Flocken in unserem kleinen Garten - und zwar genau so viele wie die  Zaubermaus und der Mäuserich benötigten: für zwei Schnee-Engel, einen Schneemann und 25 Mini-Klassenkameraden, die sie vor lauter Sehnsucht aus Schnee bauten. 




Dann war die weiße Pracht, die die zwei Raketen auf unserem Grundstück und den Fensterbänken unserer Nachbarn mühsam zusammenkratzten, schon wieder aufgebraucht. 


Schnee-Engel auf Nordhessisch


Wir versprachen ihnen Nachschub und mussten in dieser Woche gar nicht lang danach suchen: Das perfekte Winterwonderland mit puderzuckrigen Feldern, glitzernden Eiszapfen an wattebedeckten Bäumen und dem einen oder anderen Rodelhang lag direkt zu unseren Füßen.




Nach vielen, vielen Bob-Rennen, zahlreichen Purzelbäumen im Schnee und unzähligen Tassen mit heißer Schokolade abends vor dem Kamin bin ich mir jetzt sicher, dass sich die beiden später gern auch an diesen außergewöhnlichen Winter erinnern werden. Und das beruhigt mich sehr.




Macht's Euch schön - jetzt erst recht!

Herzliche Grüße,
Sarah               




*Dieser Beitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung für Sportkleidung und eine Smartwatch.



Sonntag, 3. Januar 2021

Glücksmomente 01-2021: Fensterschau, Rückschau und Ausschau

Wisst Ihr, woran ich merke, dass es mal wieder Zeit ist, an dieser Stelle von mir hören zu lassen? Wenn die Gassirunde so manch heimlicher Leserin aus unserer Kleinkleinstadt plötzlich wieder zufällig an unserem Haus vorbeiführt. Denn wenn ich einige Wochen lang auf diesem Blog keine Einblicke in unser Haus und unseren Alltag gewähre, macht sich die Dame höchstpersönlich mit ihrem Hund auf den Weg, um ganz unauffällig hinter ihrer XXL-Sonnenbrille in unsere beleuchteten Fenster zu schauen. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich den ganzen Tag über hinter diesen beleuchteten Fenstern sitze und rausschaue. 





Dass uns jemand ohne An- und Abstand zu nahe kommt, wollen wir nicht riskieren. Wir bleiben ja  jetzt eh alle besser zu Hause. Also biete ich ab sofort wieder online kostenlose Inspirationen rund um die Themen Renovieren und Dekorieren, Ordnung und Chaos, Küchenliebe und Kinderkram an. Getreu dem Motto "Stay home, stay safe, stay away!"





Da bin ich also wieder. Wo waren wir stehen geblieben? Wartet, ich scrolle kurz ein bisschen runter. Ah, ich sehe: Im Mai 2020 habe ich mich zuletzt auf diesem Blog mit ein paar Glücksmomenten gemeldet. Seitdem ist so einiges passiert in unserem Leben - anderes nicht. Corona ist noch da, unser Wohnwagen Emma nicht mehr. Dafür lebt jetzt Hugo bei uns. Doch das erzähle ich Euch mal in Ruhe. 





Jetzt erstmal (Achtung, Spoiler!) die wohl wichtigste Nachricht für einige Verwandt*innen und (Ex-) Bekannt*innen meines Mannes vorweg, die diese Zeilen eh nur hastig überfliegen: Mein Mann ist immer noch mit mir verheiratet. Ja, seit elf Jahren. Ja, glücklich. Das behauptet er sogar selbst ab und zu. Und nun die wohl wichtigste Nachricht für alle Anderen, die uns wirklich mögen: Wir sind weiterhin gesund, munter und sooo dankbar dafür, waren bisher nicht ein einziges Mal in einem Corona-Testzentrum oder in Quarantäne und beten inständig, dass das auch in diesem Jahr so bleibt.





Mit Abstand betrachte ich die vergangenen Monate im Zeitraffer so: 


  • Seit Frühjahr 2020: 

Viele, viele Sorgen und Ängste auf verschiedenen Ebenen rund um diese furchtbar ätzende, kräftezehrende Pandemie; 

    überall: Masken, Desinfektionsmittel, Statistiken, Regeln und Menschen, die sich mal an die AHA-               

    Regeln halten und mal nicht - und zwar mitunter je nachdem, ob sie müssen, wollen oder es ihnen

    situationsbedingt grad eben in den Kram passt;   

    mittendrin: zwei Mäuse, die nach Wochen voller Homeschooling mit Mutti zwischendurch wieder an   

    fünf Tagen pro Woche überglücklich zur Schule gingen und sogar mit Freude ihre Hausaufgaben   

    machten; und zwei Erwachsene, die ihre Jobs zum Glück mit bislang nur wenigen Einbußen behalten            

    durften.

 

  • Juli 2020: 

Ein Nachmittag voller Blut in der Notaufnahme des städtischen Krankenhauses, da ein Mann, der anonym bleiben möchte, "versehentlich" das komplette Paletten-Hochbeet auf den linken (Bar-)Fuß seiner Frau fallen ließ, (nachdem er sie davor viel zu leise gewarnt hatte), die daraufhin mitten in der Sandalen-Saison! unter Tränen ihren frisch pink lackierten Großzehennagel verlor, der noch immer nicht komplett wieder nachgewachsen ist  (ja, sie sind noch immer verheiratet). 







  • Sommerferien 2020:

Ein stornierter Fast-unter-Palmen-Traum-Urlaub-in-Südfrankreich; stattdessen ein spontaner, zweiwöchiger Safety-First-Aufenthalt mit kilometerweitem Abstand zu anderen Menschen im Wohnwagen Emma auf altbekanntem Campingplatz im niederländischen Groede.  





  • August 2020: 

Die allererste Achterbahn-Fahrt im Leben einer Frau (die sich 39 Jahre lang fest vorgenommen hatte, so etwas nie, nie, niemals zu tun), gemeinsam mit ihrem Sohn, für den sie aus Mutterliebe ihre Todesangst überwand. Aber ohne ihren Mann, der zuvor bereits im Kettenkarussell für Kleinkinder fast kollabiert wäre und weiterhin anonym bleiben möchte (japp, sie sind trotzdem noch verheiratet).





  •  Gesamter Sommer 2020:

Viele Nachmittage im eigens angeschafften Garten-Pool samt DIY-Holz-Häuschen für die Sandfilterpumpe (das der anonyme Mann dieses Mal allein mithilfe eines Rollbretts durch den Garten transportierte und somit gar nicht erst auf den Fuß seiner Frau fallen lassen konnte); dafür zum ersten Mal seit fast 40 Jahren kein einziger Besuch im Freibad, weil unter anderem noch nicht klar war, ob Coronaviren eventuell schwimmen können.





  • September 2020:

Erfolgreich bestandene Fahrradprüfung der Zaubermaus: Seitdem müssen wir mit unserer Tochter auf der Straße radeln und uns ordnungsgemäß auch an die passenden Verkehrsregeln erinnern (dabei habe ich mich mit den Mäusen und meiner Rechts-(vor-)Links-Schwäche auf den Bürgersteigen so schön sicher gefühlt).





  • November 2020:

Zwei weiß-gelbe Judo-Gürtel für die Mäuse, die zwischen all dem Tohuwabohu eine Trainingsstunde und offene Turnhalle erwischten, in der sie ihre Prüfung ablegen konnten.


  • Seit das so beschlossen wurde:

Noch mehr Zeit als sonst mit den Mäusen, die ich täglich in der Regel noch vor 12 Uhr von der Schule abhole, weil sie keine Betreuungskinder sind und alle Arbeitsgemeinschaften ausfallen; die nachmittags kaum Verabredungen mit ihren Freunden sowie kein Vereinsprogramm mehr haben. 

Weniger Zeit für mich und zum Beispiel diesen Blog. Aber, so what: Unsere Kinder möglichst unbeschadet und stets fröhlich durch diese noch nie dagewesene sowie manch andere Krise in Zukunft zu bringen, ist für uns als Eltern nach wie vor das Wichtigste. Und das klappt bisher echt gut. Meistens. Häufig. Manchmal. Mitunter sogar selten.  





Wir hatten seit Mai einen ganzen Haufen voller Glücksmomente - trotz der widrigen Umstände. Und - das mag vielleicht absurd klingen - manchmal sogar gerade deswegen. Stichwort: Entschleunigung, Achtsamkeit und so, womit man sich diese Phase durchaus auch immer wieder schönreden kann. Weil ich es mir jedoch angewöhnt habe, so gut wie nie zurückzuschauen und ausschließlich nach vorn, und zwar ganz wichtig: Tag für Tag, berichte ich ab sofort lieber wieder von den aktuellen Augenblicken, die mir ein Lächeln ins Herz zaubern. Und das nicht erst wieder im Mai. Hand aufs Herz. 





Den Beginn mache ich mit einem seelenwärmenden Rezept, das uns vor Weihnachten ein wohliges Bauchgefühl verursachte und uns auch noch an so manchem Wintertag begleiten wird. Weil der Mäuserich in der Schule das Gedicht Bratapfel gelesen hatte und sich so gar nichts darunter vorstellen konnte, machte ich gleich mehrere davon. Eine Premiere für mich, die - kaum zu glauben - auf Anhieb gelang. 


Das Rezept habe ich vor Jahren in einer Zeitschrift gefunden, jetzt ausprobiert und nach unserem Geschmack beziehungsweise Zutaten-Vorrat abgewandelt:



Bratäpfel





Zutaten:

(für vier Personen)


  • 4 große Äpfel (zum Beispiel Pink Lady, Elstar, Braeburn, Jonagold)
  • 60 Gramm gehackte oder gestiftete Mandeln (oder Haselnüsse zum Beispiel)
  • 100 g Marzipanrohmasse
  • 4 Esslöffel Butter
  • 1 Prise Zimt
  • 1 Prise Nelkenpulver
  • Aroma: Rum oder Vanille, wer mag, kann auch eine Vanilleschote auskratzen und das Mark verwenden


Zubereitung:


Ihr heizt den Backofen auf 180 Grad (Umluft) vor und fettet die Auflaufform mit  Butter ein.

Jetzt gebt Ihr einen halben Esslöffel Butter in eine Pfanne und röstet die Mandeln darin goldbraun an. 





Nun lasst Ihr den Rest der Butter in einem Topf schmelzen (anschließend etwas abkühlen lassen). 

Danach gebt Ihr die Marzipanrohmasse in kleinen Stückchen, die Mandeln, das Nelkenpulver, den Zimt und etwas Vanille- oder Rumaroma (nach Belieben) zu der Butter und vermengt das Ganze.





Jetzt wascht Ihr die Äpfel und schneidet den oberen Teil ab (bitte noch aufheben). Anschließend nehmt Ihr das Gehäuse mit einem Messer oder Apfelausstecher großzügig heraus, sodass ein größerer Hohlraum entsteht, in den Ihr die Mandel-Marzipan-Masse füllt. 





Nun setzt Ihr die Deckel wieder drauf und stellt die Äpfel in die Auflaufform. Zum Schluss schiebt Ihr die Auflaufform für etwa 20 Minuten in den Backofen.





Dazu schmecken Vanillesauce oder Vanilleeis zum Beispiel.





Passt bitte gut auf Euch, Eure Liebsten und am besten auch auf alle anderen Mitmenschen auf!


Herzliche Grüße,

Sarah


Dieser Beitrag enthält ausnahmsweise keine Werbung. Höchstens unbezahlt und unbeauftragt für Bratäpfel.