Sonntag, 17. Mai 2020

Glücksmomente 05-2020: Gartenhaus, Gemüse und Geburtstag

Frische Tulpen, ein Käsekuchen, der ausnahmsweise mal gelungen ist, ein selbst genähtes Kleid, das wie angegossen passt, und zwei Mäuse, die sich vor Lachen auf dem Wohnzimmerboden herumkugeln: Es gibt im Alltag so viele Momente des Glücks, in denen das Herz vor Freude schneller hüpft. Je mehr Raum wir den schönen Augenblicken in Herz und Kopf schenken, desto weniger Platz haben die unschönen. Daher achte ich inzwischen bewusst auf die kleinen Freuden des Alltags - von denen es mehr gibt, als man vielleicht glauben mag. Drei bis fünf meiner Glücksmomente, die ich im Laufe einer Woche gesammelt habe, findet Ihr regelmäßig in dieser Rubrik:


Gartenhaus-Glück


Es sind viele kleine und größere „Zufälle“, die unseren Alltag immer wieder turbulent machen. Denkt mein Mann. Dass ich meistens die Finger im Spiel habe, wenn plötzlich alles nicht mehr nach Plan läuft und es hektisch, unbequem, mitunter sogar gefährlich wird, habe ich ihm nämlich noch nicht verraten. 



Bye Bye, altes Spielhaus


Da erwähne ich zum Beispiel vor neun Jahren mal so ganz nebenbei, dass wir uns ja irgendwann einmal einen Hund zulegen könnten, aber nur, wenn mein Mann - erklärter Katzenliebhaber - sich irgendwann an den Gedanken gewöhnt hätte und auch nur, wenn wir dann irgendwann irgendwo zufällig einen passenden Welpen fänden. Und wie es der Zufall so will, kehren wir zwei Wochen später mit einer Hundebox und unserem Westie-Baby Oscar von einer Züchterin aus Darmstadt zurück. 



Seit neun Jahren durch "Zufall" bei uns: unser Oscar


Oder die Sache mit unserem Wohnwagen Emma. Wir hatten bereits eine Ferienwohnung gebucht, als rein zufällig ein ganzer Wohnwagen vom Himmel fiel und direkt in unserer Einfahrt landete, obwohl wir zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal eine Anhängerkupplung hatten (ich berichtete an dieser Stelle). Mein Mann hatte sich das alles stets anders vorgestellt: Statt gelassen einer Hauskatze beim Dösen zuzusehen, gingen wir plötzlich mehrmals am Tag Gassi und statt entspannt unser Auto für einen Urlaub in einer Ferienwohnung zu packen, renovierten wir sechs Wochen lang einen Wohnwagen.



Hello neues Spiel-/Gartenhaus!


Mein Mann hat zwar schon häufiger geahnt, dass ich an so manchem vermeintlichen Zufall nicht unbeteiligt war. Ich habe jedoch stets sämtliche Beweise akribisch vernichtet: die Suchaufträge zum Beispiel, die ich stets bereits Wochen zuvor in diversen Kleinanzeigen-Portalen geschaltet hatte. Aber pssst! Die nächste Suchanzeige läuft.

Einem weiteren "Zufall" sind wir in dieser Woche begegnet. Die Mäuse hatten sich frisch von ihrem Spielhaus getrennt, weil sie - inzwischen zu groß dafür - sich regelmäßig die Köpfe an der Galerie im Innern gestoßen hatten. Wir verkauften das Häuschen schweren Herzens über ein Kleinanzeigen-Portal und versprachen den Mäusen, "irgendwann später einmal" ein größeres für sie zu besorgen. 



Noch nicht fertig - aber das sieht man ja.


Die neuen Besitzer hatten das alte Spielhaus gerade abgeholt, als mir nur eine Stunde später über dieselbe Internet-Plattform ein neues Gartenhaus angezeigt wurde - zufällig in direkter Nähe und zufällig exakt so groß, dass es in die vorgesehene Ecke passte. Spontan setzten wir uns ins Auto und freuten uns darüber, dass uns der Besitzer zufällig seinen Anhänger für den Transport leihen konnte. Was für ein Glück. Dachte ich. Mein Mann sah das ganz bestimmt genauso. Da bin ich mir sicher - auch wenn er das nicht gleich zeigte. Übrigens auch nicht in den Tagen danach.... Nun ja, manchmal braucht echte Freude ein wenig Zeit. 

Statt entspannt auf der Terrasse zu liegen, gedanklich weit weg von irgendwelchen neuen Projekten für Haus und Garten, bauen wir gerade unser neues Häuschen auf, verlegen Randsteine neu und setzen Bäume um. Zufälle gibt‘s... 


Wochenmarkt-Glück



Schon als kleines Mädchen begleitete ich meine Mama jeden Samstag auf den Wochenmarkt der Kleinstadt, in der wir lebten. Und auch heute liebe ich es, in unserer Kleinklein-Stadt, in der wir seit zehn Jahren zu Hause sind, über den kleinen Markt direkt vor dem Rathaus zu schlendern. In der einen Hand halte ich meine Korbtasche, in der anderen die Hand meiner Tochter, die unsere Marktbesuche genauso toll findet wie ich damals.





Wie im Schlaraffenland fühlen wir uns zwischen Obst-, Gemüse-, Fisch-, Fleisch- und Backwaren sowie unter anderem Molkereiprodukten, die in der Regel nirgends so frisch sind und so saftig schmecken wie an den Marktständen. Dass ich mir vorher nie einen Einkaufszettel schreibe, wird mir auf dem Wochenmarkt jedes Mal zum Verhängnis. 

Vollkommen berauscht von all den kräftigen Gerüchen und satten Farben um mich herum, kaufe ich hier vier Zucchini, dort ein Kilo Rhabarber, weiter hinten zwei Fenchelknollen sowie einen Camembert und eine große Portion geräucherten Lachs am stand gegenüber - und merke dann zu Hause, dass ich völlig kopflos viele im Grunde unzusammenhängende Zutaten in meine Tasche gepackt habe, die kaum zu dem restlichen Inhalt unseres Kühlschranks passen. Um daraus gleich mehrere, möglichst einfache, schnelle Gerichte für die Woche zu kochen, bei denen alle Lebensmittel geschickt kombiniert zum Einsatz kommen, ist nach jedem Marktbesuch meine ganze Kreativität gefragt. 





Ich denke jedoch, dass es selbst Sterneköchen hin und wieder ähnlich geht: Kuriose Kreationen wie Kalb und Apfelsaft, Blumenkohl und Schokolade, Austern und Kiwi, die in Spitzenrestaurants unter dem Stichwort "Food-Pairing" gemeinsam auf einen Teller kommen, sind eventuell auch auf Basis unkontrollierter Markteinkäufe entstanden.


Geburtstags-Glück



Der 16. Mai ist für mich jedes Jahr ein besonderer Tag. Einer von denen mit einem fetten Textmarker-Herzchen drumherum im Kalender. Ein Tag mit lebenslanger Käsekuchen-zum-Frühstück-Garantie, mit vielen kleinen Überraschungen - ob in buntem Papier verpackt oder mit einem Strauß Blumen spontan vor der Haustür stehend -,  mit Happy-Birthday-Ständchen, die mir meine Kinder leicht schief, aber wunderschön auf dem Klavier spielen, oder meine Freundinnen am Telefon singen. Mit ganz viel Herzenswärme und unbändiger Freude darüber, dass so viele Menschen an mich denken, auch die, die ich nicht mehr so häufig sehe.




Weil mein 39. Geburtstag auf einen Samstag fiel, konnten wir ganz entspannt in den Tag starten, der in diesem Jahr etwas anders ausfiel als sonst - wegen Abstandsvorgaben, Hygieneregeln, ach, Ihr wisst schon. Wir bummelten zwar nicht - wie ursprünglich geplant - durch meine Lieblingsstadt Hamburg,  schlenderten dafür jedoch über den Wochenmarkt in unserer Kleinstadt und kauften dort frischen Seelachs, Zitronen und Baguette (passte ausnahmsweise alles hervorragend zusammen). Anstatt auf der Terrasse meines Lieblingsrestaurants zu sitzen, aßen wir bei strahlendem Sonnenschein auf unserer eigenen Lieblingsterrasse frisch gegrillten Fisch zu Mittag.


So rosa, so süß: ein Buch von meiner Freundin und ein Kuchen von unseren Nachbarn


Wir machten einen spontanen, komplett kontaktlosen Ausflug an einen See, fuhren zunächst mit einer Sommerrodelbahn und dann Tretboot, probierten anschließend den Kuchen in unserem Garten, den  mir unsere Nachbarn vor die Tür gestellt hatten, und ließen den Abend mit einem Familienfilm auf der Couch kuschelnd ausklingen.












Für mich war dieser Tag perfekt, weil wir das Allerbeste aus ihm machten. Ich hatte meine drei Liebsten in weniger als 1,50 Meter Abstand um mich herum - mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein. 




Es ist, wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst.             


Also: Macht das Beste draus!
Herzliche Grüße,
Sarah


Die Idee zum Wochenglück habe ich von der Bloggerin Fräulein Ordnung, die mich schon häufig inspiriert hat.
** Dieser Beitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung für einen Blog und ein Tagebuch.

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